Sedlmeir: „Mit leerem Magen rockt es sich nicht gut, mit vollem aber fast noch schlechter“

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„Ich kauf niemals was beim Arschloch“, eine Zeile, die man sich am liebsten eintätowieren lassen möchte. Macht man zum Glück dann doch nicht und hört sich lieber den Song dazu „Arschloch Tricks“ an. Das Video (feat. Rummelsnuff) lohnt sich übrigens auch. Dem Sedlmeir kauft man einfach alles ab. Das liegt an seinen meist eingängigen Melodien, starken Reimen und Zeilen, die man nie vergisst. Er rotzt seine Meinung in klaren Parolen durch den Gehörgang und produziert die Musik dazu in seinem Homeoffice. Ein cooler Motzer mit Niveau. Ursprünglich aus dem Saarland lebt Henning Sedlmeir schon seit vielen Jahren in Berlin. Mit Mikro, Charme und Melodie reist er durch die Länder und rockt mit seinem Kraut-Jive die verschiedenen Locations. 

Sedlmeir mischt jetzt auch in der Kriminal-Szene mit. Allerdings nicht als Hauptkommissar, wobei sein schauspielerisches Talent sicher unterschätzt wird. Wer sonntags beim Tatort immer einschläft, der sollte sich „Rache!“ anhören. Kein Wusical und auch kein Krusical. Ein Kriminal-Musical von Sedlmeir selbst produziert. Texte und Musik schrieb er gemeinsam mit Ahne. 

Dem Mann kann man in jedem Fall zuhören. Auch im Interview gibt der Musiker und Familienvater seine ehrliche Meinung preis. An Kinder dachte er damals in seiner Studenten-Butze eher nicht. Jetzt kann er sich allerdings ein Leben ohne seine zwei kleinen Gorillas gar nicht mehr vorstellen. Essen und Musik, sagt Sedlmeir, passen zwar nicht zusammen, dennoch stellt er sich den kulinarischen Fragen des Schleckermäulchens. Wir erfahren etwas über seine nicht vorhandene Kochleidenschaft, saarländische Wurstspezialitäten, Nazi-Abwehr im JUZ Homburg und verfluchte Quengelzonen im Kassenbereich. Wenn er denn mal kocht genießt er die Ruhe. Aufs Land ziehen wäre auch eine Option, aber nur mit Gleichgesinnten. „Ein guter Tag zum Stehen“ heißt ein Song seiner aktuellen Platte „Fluchtpunkt Risiko“ und ich sage mal, heute ist ein guter Tag zum Sitzen und Quatschen. Es wurden auch Wein und Gin & Tonic gereicht, Prost!

 

Essen und Rockmusik, passt das zusammen?

Sedlmeir: Nein. Es passt eigentlich gar nicht zusammen, aber wir führen es jetzt zusammen.

Und warum passt das nicht zusammen?

S: Ich mache das immer getrennt voneinander. Beides gehört zum Leben. Mit leerem Magen rockt es sich nicht gut, mit vollem aber fast noch schlechter.

Kochst du denn gerne?

S.: Ich koche zuweilen ganz gerne, aber meistens nicht. Das liegt aber daran, dass mir das ganze organisatorische Drumherum auf die Nerven geht. Wenn man eine Zwiebel schneidet, dann müssen ja auch gleichzeitig die Schalen weggeworfen werden. Es gelingt mir nicht die gewisse Stringenz in den Ablauf zu bekommen. Bei mir entsteht dann so eine Art Müll auf der Arbeitsplatte und nach dem Essen, wenn man dann eigentlich vollgestopft ist, hat man halt die ungeliebte Aufgabe, das alles aufräumen zu müssen. Das verdirbt mir ein bisschen den Spaß beim Kochen.

Wenn du kochst, hörst du dann Musik im Hintergrund?

S: Also, seit ich Kinder habe läuft bei mir kaum noch Musik, weil ich eigentlich froh bin, wenn der Lärmpegel mal nicht so hoch ist.

Sind deine Kinder denn auch musikalisch?

S: Selber machen sie keine Musik, aber der eine ist ein guter Tänzer und der andere ein hervorragender Performer. Die können sich Texte auch wahnsinnig gut merken und wollen dann viele Lieder hören. Stellenweise die Songs, die sie von uns mitkriegen, z.B. „Mackie Messer“ von Hildegard Knef. Der Kleine ist immer gerne bewaffnet und Macki Messer ist sein großes Vorbild, so wie er ihn sich dann vorstellt. Das ist für ihn so ne Art Abenteuersong. Sein anderes Vorbild ist Dschingis Khan.

Hören die auch deine Songs?

S: Eine Zeit lang haben sie die gerne gehört, aber das ist gerade nicht der Fall. Ich lege denen ja auch nicht meine Platten auf.

Lieber Ei oder Oi?

S: Manchmal weiß ich, ehrlich gesagt, den Unterschied nicht. Es ist wie bei Yin und Yang. Beides gehört irgendwie zusammen.

Manchmal mehr Ei und manchmal mehr Oi?

S: Ja, genau.

Kurz zur Erklärung für die Leser. Die Frage bezieht sich auf eine Songzeile aus deinem aktuellen Album „Fluchtpunkt Risiko“. Darin heißt es in „Gut“ : „Du hast Ei für mich, ich habe Oi für dich.“ 

Du bist ja ziemlich viel unterwegs. Was war das schlimmste Essen auf Tour?

S: Gibt es, aber sage ich hier jetzt nicht, weil ich den Club nicht denunzieren will. Aber das Essen ist unter aller Drecksau. Muss man schon sagen.

Und kannst du dich an das leckerste Gericht erinnern?

S: Da muss ich mal scharf nachdenken… Das leckerste Essen war auf jeden Fall in der Schweiz, aber ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Es gab auch mehrere leckere Essen.

Ist dir das Essen auf Tour denn generell wichtig? Früher war das ja noch nicht selbstverständlich. Da gab es Nüsschen und Schnittchen. 

S.: Das ist stellenweise ja immer noch so. Wenn du nicht etabliert bist, dann gibt es Clubs, die machen einfach kein Catering. Da gibt es einfach nichts. Da musst du dann auf die Reeperbahn oder hier in Kreuzberg irgendwo, dich selbst verköstigen. Manchmal auf Kosten des Veranstalters, aber oft zahlen die einfach auch gar nichts dafür. Es hat sich schon verbessert, aber nicht überall.

Bist du Vegetarier?

S: Nee, aber habe jetzt schon seit zwei Wochen kein Fleisch gegessen, weil ich keinen Bock hatte.

Generell jetzt keinen Bock mehr? 

S: Ich mag schon gerne Fleisch, aber wenn man so mitbekommt, was damit alles passiert, dann schmeckt es nur noch halb so gut. Ich kaufe auf jeden Fall kein Billigfleisch. Ein Biostempel muss wenigstens drauf sein.

Die Kinder dürfen aber noch die Scheibe Fleischwurst von der netten Verkäuferin im Rewe entgegen nehmen? 

S: Ja, wenn wir da mal wären.

Gibt es diesen Service überhaupt noch? Ich glaube, Edeka hat noch eine Wursttheke (Dauerwerbesendung – beendet).  

S: Keine Ahnung. Da gehen wir nie hin. Wir versuchen auch möglichst ohne Kinder einkaufen zu gehen. Denn ohne bleibst du nicht an den Quengelzonen hängen. Im Elternjargon heißen die Bereiche vorne an der Kasse so. Da sind die Regale voll mit Süßigkeiten und das ist eine absolute Frechheit, dass die einem das so aufdrücken. Kleinkinder liegen auf dem Boden und kreischen, weil sie die ganzen schönen Sachen nicht haben dürfen.

Eltern sind also dagegen machtlos und können ihren Kids das nicht einfach verbieten? Also, lieber Kinder nicht mit zum Einkaufen nehmen?!  

S: Ja, lieber nicht mitnehmen, weil du kannst nicht mit einer vermeintlichen Vernunft gegen so einen animalischen Wunsch oder gegen so eine Lust von einem Kind angehen. Da hilft keine Logik, weil das sind kleine Affen oder kleine Gorillas. Und du musst die irgendwie präparieren für diese komische Gesellschaft. Es funktioniert nicht, einem Dreijährigen zu sagen, heute gibt es kein Überraschungsei und du läufst an einem ganzen Regal mit Schokoeiern vorbei.

Kauft ihr denn im Bioladen? 

S: Wenn es der Geldbeutel zulässt. Ich finde aber, viele Bioprodukte schmecken auch einfach Scheiße. Die wichtigen Sachen im Bioladen, der Rest in diesen Kraut und Rüben Supermärkten.

Was genau schmeckt in Bio Scheiße? 

S: Zum Beispiel Schokoriegel.

Bei welchem Arschloch kaufst du niemals ein? 

S.: Da gibt es ja so einige, wo man nicht hingeht, aus Prinzip. Aber komplett verhindern kann man es ja auch nicht. Wenn, dann musst du schon aus dem ganzen Scheiß aussteigen und Selbstversorger sein. Es gibt ja den Spruch von Adorno: „Es gibt kein richtiges Leben im Falsch“. Das trifft es.

Warst du schon mal Straight-Edge? 

S.: Ja, wobei plus Alkohol. Also, eher nein.

Von Straight Edge spricht man, wenn man keine Drogen nimmt, Alkohol und sogar Nikotin zu sich nimmt. Keine wechselnden Sexpartner und man verzichtet komplett auf tierische Produkte. Warst du denn mal in der Hardcore Punkszene? 

S.: Würde ich nicht sagen, aber Punkmusik war schon ein wichtiger Einfluss. Mit 18 Jahren habe ich Bands wie Dead Kennedys, Black Flag und Ramones gehört. Aber ich habe auch schon damals gerne Alexandra gehört.

Gibt es ein Lieblingsgericht aus deiner Kindheit? 

S.: Das kann ich hier jetzt eigentlich nicht sagen. Das wäre Werbung für einen unsympathischen Konzern.

Verstehe, aber vielleicht etwas, was die Oma oder der Papa gekocht haben?  

S.: Was ich als Kind sehr gerne gegessen habe und auch heute noch, das sind Spaghetti mit Tomatensauce, aufgewärmt mit viel Fett und Spiegelei drüber.

Klingt gut. Und ohne Fleisch, obwohl es früher doch immer soviel gab. Bei uns zu Hause wurde sehr viel mit Hack gegessen. 

S.: Stimmt. Bei uns auch. Diese Hackschnittchen mit rohem Hackfleisch. Und dann hatten wir auch immer sehr viel Wurst im Kühlschrank. Blutwurst, Leberwurst.  

Und Lyoner, oder? Du kommst doch auch aus dem Saarland. Heißt die da nicht so? 

S.: Das ist ja so wie Fleischwurst, oder? Obwohl die aus dem Saarland noch mal spezieller gewürzt ist, glaube ich. So genau, weiß ich das aber auch nicht, was daran besser ist. Kann sein, dass die von dort noch mal feiner schmeckt.

Da hast du jetzt aber noch mal die Kurve gekriegt, sonst hätte sich der Lyoner Wurstverband aus Saarlouis noch beschwert.  

S.: Gibt es den?  

Keine Ahnung, aber ich habe Freunde aus dem Saarland und die schwören auf ihre Lyoner. Für mich sieht das aus, wie ein normaler Fleischwurstring. Was kommt bei euch niemals auf den Tisch?  

S.: Da gibt es einiges. Innereien. Und auch keine Blutwurst. Sülze auch auf keinen Fall.

Und was ist mit dem Schwenker (saarländische Grill-Tradition)? Wird der im Sommer häufiger mal rausgeholt?

S.: Bei uns nicht. Meine Frau und ich mögen das beide nicht. Ich finde das Ritual des Grillens auch völlig nervig. Ich kann dem nichts abgewinnen. Wenn ich unbedingt ein Würstchen haben will oder einen Halloumikäse, dann mach ich das lieber in der Pfanne. Und wenn wir mal Gelegenheit haben Feuer zu machen, was nicht oft vorkommt, dann machen wir das lieber einfach nur so – als Feuer.

Und wo macht ihr dann Feuer? 

S.: In unserem Schrebergarten.

Ah, ihr habt einen Garten. Dann überlegt ihr bestimmt auch aufs Land zu ziehen?  

S.: Man guckt schon ständig mit einem heulenden Auge aufs Land und das ist auch irgendwie ein Thema, aber es ist nicht stark genug, als dass wir es demnächst machen würden. Es ist dann schon klar, dass man aus der linken Szene rauszieht. Es sei denn, man findet Gleichgesinnte, auf die man Bock hätte, mit dem richtigen Anwesen, plus der guten Anbindung. Da kommen einige Faktoren zusammen. Das sieht jetzt eigentlich nicht so gut aus. Und einfach so rausziehen, zu den Brandenburgern? Keinen Bock.

Aber immer Neukölln ist wahrscheinlich auch nicht die Lösung?  

S.: Neukölln ist schon ganz fluffig geworden. Mit dem Tempelhofer Feld und dieser riesigen Brache. Das ist auch super für die Kids. 

Ja, grüne Flächen gibt es einige und sowieso ganz viele Seen, rund um Berlin. Aber zurück zum Thema. Was ist das ideale Rock-Dinner?  

S.: Pizza mit gekreuzten Gitarren aus Mozzarella. Oder ein Totenkopf und die Tomatensauce und der Käse müssen so heiß brutzeln, wie in der Hölle.  

Und dann seinen Feinden zum Essen geben…  

S.: In kleinen Stücken und die vergiften… mit Zyankali.  

Und wie sähe als Pendant dazu ein Hard-Schlager-Menü aus? 

S.: Auf jeden Fall garniert mit Rosen und dann muss da noch was Gewöhnliches dazu… Ich muss sagen, der Begriff Hard-Schlager gefällt mir nicht mehr.

So steht es aber noch in deinem Promotext, also Hard-Schlager als eine Bezeichnung für deine Musik. Schlager kommt generell oft vor. Vielleicht sollte man eher Chanson sagen?  

S.: Ja, Elemente aus dem Chanson. Hard-Schlager haben wir irgendwann mal 2015 in den Pressetext gepackt, um auch so ein bisschen Verwirrung zu stiften. War mal kurze Zeit lustig, aber jetzt ist es irgendwie abgeraucht.  

Wie würdest du denn deine Musik heute bezeichnen?  

S.: Ich würde versuchen sie gar nicht zu bezeichnen. Man kann die ganzen Elemente aufzählen und würde sicherlich eine DIN A4-Seite mit Stilrichtungen befüllen, aber wer hat da schon Bock drauf. Fred von Haute Areal habe ich mal gefragt: Ey, Fred, kannst du nicht mal mit einem Wort oder höchstens zwei, beschreiben, was ich für Musik mache. Und er schrieb dann mal in eine Pressinfo: Kraut-Jive. Das klang auf jeden Fall interessant und hat auch irgendwie gepasst.

Schon mal ein Hard Rock Café besucht? 

S.: Ja, habe ich sogar mal in Köln. Es gab irgendwie einen Grund, warum wir da reinspaziert sind. Ich glaube, die wollten für Konzerte mal Gelder locker machen. Und es gab diesen Typen, der mich managen und mit mir diese Hardrock Café-Tour machen wollte. Ich hatte damals ja auch diesen irreführenden Titel Hardrock Roboter, was ja auch so nicht stimmte, weil ich ja keinen Hardrock mache. Am Ende hat es dann sowieso nicht geklappt. Der Manager war zu schlapp und die in den Cafés hatten nie den richtigen Ansprechpartner.  

Mit welchem Promi würdest du gerne mal Essen gehen?  

S.: Gute Frage. Schwierige Frage. Aber irgendwie ist es mir nicht wichtig mit Promis essen zu gehen. Es gibt zwar einige, die ich gerne mal treffen würde, aber dann lieber zum Trinken. Ich hatte aber mal einen Song in der Pipeline und der hieß „Promi-Essen“ oder „Promikoch“, weiß ich nicht mehr genau, aber darin kam auf jeden Fall der Satz vor: „Danke Harry Belafonte und Luzi Kryn, dass ich zum Promi-Essen eingeladen bin.“ Kennst du Luzi Kryn? Das war die Tante von Rosa von Praunheim und die hat, u.a. in „Die Bettwurst“ mitgespielt.

Sehr schön. Gibt es den Song noch? 

S.: Ich weiß noch den Text und den Basslauf…

Dann bitte demnächst veröffentlichen. Super Schleckermäulchen-Song. Demnach hast du ja schon mal einen Song über Essen geschrieben. Und übers Trinken?  

S.: Fällt mir spontan nichts ein. Bier kommt bestimmt ab und an mal vor. Das Trinken dient mir ja schon als Inspirationsquelle.

Mehr als das Essen? 

S.: Ich mag gutes Essen, aber ich bemühe mich da jetzt auch nicht so.

Eine Mahlzeit für Rechte, wie würde die aussehen oder schmecken? 

S.: Das müsste auf jeden Fall ein Bildungsessen sein. Das man auf lange Sicht umdenkt, wenn man es mal human aufziehen will. Ansonsten geht natürlich auch Giftkuchen.

Das passt dann auch zur nächsten Frage, Nazis auf die Fresse hauen oder doch noch mal versuchen mit ihnen zu reden?

S.: Wenn ich denen nicht selber auf die Fresse hauen muss, dann ist mir das egal. Ich finde das ist stellenweise so ein großmäuliges Vorgeben von Dingen, die man angeblich bereit ist zu tun. Aber dann muss man mal jemandem gegenüberstehen, der sich sein Leben lang geprügelt hat und dann haust du ihm doch keine auf die Fresse, weil er sich mit Schlägen einfach besser auskennt, als du. Von daher, schwierig. Ich finde auch, es gibt keine Grundlage mehr mit denen zu sprechen. Also mit richtigen Nazis und Pegida-Anhängern gibt es keine Gesprächsbasis. Kennst du Thomas Gsella? Der hat mal ein Gedicht geschrieben aus der Reihe „Leicht gesagt, schwer umzusetzen“ und das geht so: „Haut den Nazis in Scheiß Bautzen auf die Schnauzen und die Plauzen“. Das finde ich schon geil. Man würde das schon gerne tun, aber leider ist man kein Streetfighter und dafür musst du einfach fit sein.

Gab es denn schon mal eine Situation mit Nazis/Rechten?

S.: Ja, früher in meinem Punkumfeld schon. Im JUZ Homburg gab es immer mal wieder Übergriffe. Es gab ständig Schlägereien mit Nazis. Und ich kann mich an eine Situation erinnern, als ich auch da war. Da hieß es: „Unten kommen die Nazis“. Die sind mit ein paar Autos vorgefahren und wollten das JUZ stürmen. Dann waren aber unsere Leute so gut vorbereitet und ausgerüstet, dass die in Sekunden die Tür verbarrikadiert hatten und aus den Fenstern sämtliches Altglas auf die Nazis feuerten. Es dauerte nur zwei Minuten, dann sind die wieder abgehauen.

Es gibt noch eine Begegnung. Damals habe ich zufällig in einer Bar im benachbarten Ort, einen Typen getroffen, von dem ich wusste, dass er Nazi ist. Der war mit mir im Kindergarten und strunzdumm. Der war wirklich ausgesprochen blöd, schon immer. Der hatte mich damals, es war spät nachts, gefragt, ob ich ihn mit dem Auto nach Hause fahre. Ich war total besoffen und er auch. Ich hatte erst noch überlegt, ob ich ihn mitnehmen soll. Habe ich letztendlich und im Auto war noch eine Kassette von Slime und den Song „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ habe ich laut aufgedreht. Und dachte mir, so, das muss er sich jetzt mal reinziehen. Und dem hat es voll gut gefallen und er hat den Song abgefeiert.

Ich denke aber, dass das bei den heutigen Rechten nicht so ausgehen würde. Nach den ganzen Vorfällen und jetzt aktuell auch Chemnitz kommt mir die Szene noch mal krasser und brutaler vor. Oder war das immer schon so? 

S.: Diese Hardcore Rechte-Szene gibt es schon sehr lange und die kommen halt immer wieder aus ihren Löchern. Und jetzt bekommen die natürlich mehr Zuspruch durch diese ganze Verschiebung nach rechts. Man sollte rechtsextreme Parteien verbieten. Allein schon, weil sich Parteien durch Steuergelder finanzieren. Die Demokratie darf keine Intoleranz tolerieren.  

Ich finde, das ist ein sehr guter Schlusssatz. Vielen Dank für das gute Gespräch.

 

 

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