Roland Sachs: „Ich bin da ja eher durchgeknallt und mache das alles ganz anders“

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Schon lange treibt sich die böse Varroamilbe in Bienenstöcken herum. Der winzigkleine Parasit klebt und lebt an Honigbienen und saugt deren Leben förmlich aus. Inhalt eines Horrorfilms? Für viele Imker leider tägliche Realität. Das Schleckermäulchen frisst ja nicht nur, sondern setzt sich auch für das Leben der Bienen ein. Aber um wirklich was zu bewegen, ist ein ganz anderer Einsatz nötig. Da reicht es nicht den heimischen Garten oder Balkon bienenfreundlich zu bepflanzen, wobei das auch schon ganz gut ist. Und nicht der Honigbiene geht es dreckig, die Wildbienen sind ebenfalls vorm Aussterben bedroht. Es gibt noch vieles zu beachten und zu erforschen und jeder kann seinen Beitrag leisten.

Roland Sachs und seine sebstgebauten Bienenbeuten

Sehr aktiv bei der Rettung der heimischen Bienen ist Roland Sachs. Der studierte Bauingenieur ist vor vielen Jahren ins Kölner Umland gezogen und setzt generell auf ein umweltbewusstes Leben. Den Hang zur Nachhaltigkeit hat er schon lange. Jetzt darf er sich auch Forscher nennen. Aber die Bezeichnung ist ihm dabei gar nicht wichtig. Er quatscht nicht lange, obwohl er das auch sehr gut kann, sondern packt im wahrsten Sinne des Wortes richtig an. Er hat seine eigenen Bienen und auch seine eigenen Methoden, wie er mit den Tieren umgeht. Auf den Honig kommt es ihm dabei nicht an, sondern sie so natürlich wie möglich zu halten. Er lässt den Bienen ihren Saft und kümmert sich eher um das Problem des Bienensterbens. Dagegen sollen Bücherskorpione (Chelifer) helfen und an diesen winzigkleinen Tierchen forscht Roland und baut den Bienen nebenbei noch naturgetreue Baumhöhlenhäuser. Man kann ihm stundenlang zuhören. Mit einer sehr ruhigen Stimme erklärt er alles wunderbar anschaulich. Daran sollte sich so mancher Imker eine dicke Scheibe abschneiden. Die beruhigende Art wirkt sich auch auf seine Bienen aus. Auf seinem Blog  kann man seine Forschungen und Fortschritte verfolgen und auch in den sozialen Netzwerken ist Roland unterwegs. Ich durfte mir sein gemütliches Zuhause anschauen: er lebt mit seiner Familie mitten im Grünen, auf einem Hügel außerhalb von Köln.

Mit Schokobrötchen und Kaffee sitzen wir morgens in der Frühlingssonne im Garten. Ein herrliches Stück Land, hoch hinaus und weit weg vom Trubel mit Blick auf den Wald. Roland und seine Frau lassen alles so wachsen, wie die Natur es will. Demnach ist das Gras hoch und überall duftet es nach Blumen und frischer Landluft. Der Hahn kräht, die Vögel zwitschern, die Hühner gackern und natürlich hört man auch die Bienen summen. Bis vor kurzem lief hier noch ein Pferd herum. Jetzt nur noch ein lieber Hund. Seine Bienen durfte ich mir aus der Nähe betrachten. Ohne Schutzanzug, voll mutig, aber sie waren ganz entspannt. Bei so einem freundlichen Imker kein Wunder. Roland gibt uns einen sehr interessanten Einblick in seine Beobachtungen, seine Arbeit und wie es um die Bienen wirklich steht.

Wie geht es der Biene heute in Deutschland?

Roland: In Deutschland gibt es über 500 verschiedene solitäre Bienenarten (darunter versteht man Einsiedlerbienen oder auch Einzelgänger, Singles), davon sind über 50 % auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten. Das heißt, denen geht es richtig dreckig. Das Insektensterben ist bei den Bienen voll angekommen. Und das ist auch die viel größere Problematik, als bei der Honigbiene. So lange es Imker gibt, wird es Honigbienen geben. Es geht also viel mehr um die solitären Arten, die in Familienverbünden leben, letztendlich wie Hummeln. Da gibt es das Muttertier und wenn die Eier schlüpfen, ist die Mutter dann meist auch schon verstorben…

Oh, das hört sich immer so traurig an. Und auch interessant, weil in den Medien geht es ja vorwiegend immer nur darum, dass es der Honigbiene so schlecht geht. Aber die eigentliche Gefahr besteht bei den heimischen Wildbienen, oder? 

Roland. Ja, genau. Wir verlieren jedes Jahr so ein bis zwei solitäre Bienenarten, unwiderruflich, die kommen nicht wieder. Und das ist wirklich das Traurige, denn mit denen sterben in der Regel auch die Pflanzen aus. Diese werden dann nicht mehr bestäubt, weil die Bienen auf bestimmte Blüten spezialisiert sind. Sie passen sich mit ihrer Körperform an bestimmte Blüten an.

Oh je, das ist wirklich dramatisch. Und Schuld am Bienensterben sind die große Umweltbelastung, Pestizide, im Grunde genommen der Mensch.

Roland: Das ist erstmal diese Monokulturlandschaft. Es gibt ja kaum natürlich belassene Flächen, gerade Wiesenflächen, gibt es ja eigentlich nicht. Es wird immer alles bewirtschaftet und zu Heu gemacht, gesät und überdüngt. Gräser wachsen so schnell, dass normale Blühpflanzen gar keine Chance haben, sich zu entwickeln. Oder nur die ganz Harten, wie Löwenzahn, schaffen es durchzukommen. Dann wird überall mit diesen dämlichen Mittelchen gearbeitet, wie Neonikotinoide, Herbizide, Pestizide. Das ganze Sortiment, das du im Baumarkt kaufen kannst. Es ist nicht nur ein Problem in der Landwirtschaft, sondern auch bei den Leuten zu Hause. Die brauchen irgendein chemisches Mittelchen, damit ihre Rosen von Ungeziefer befreit sind und versprühen gnadenlos vor ihrer eigenen Tür diese ganzen Pestizide. Oft dann auch noch völlig überdosiert, weil es auch nirgendwo vernünftig erklärt wird. Hersteller geben nicht an, dass das alles im Grundwasser landet. Es ist erschreckend, wie weit das in die Natur eingreift. Selbst in Naturschutzgebieten kann man eine Grundwasserbelastung durch diese Mittel feststellen. Selbst da geht die Insektenvielfalt zurück, obwohl dort nicht gesprüht wird. Es ist wirklich dramatisch.  

Bei Roland darf alles wachsen wie es will

Man liest ja viel darüber, aber wenn man das so hört, dann klingt das wirklich noch mal schlimmer bzw. denken viele ja einfach auch nicht so weit. Hauptsache schnell und bequem. Kaum jemand informiert sich genauer darüber. Da muss man ja auch schon die Fachzeitschriften lesen.

Roland: Ich habe kürzlich erst noch einen Artikel gelesen über die Deutsche Bahn, die ihre Schienen in völlig irren Maßen mit diesen Mitteln behandelt, damit die Schienen von allem befreit sind. Und das landet alles im Grundwasser.  

So etwas meine ich. Das bekommt man als Otto Normalverbraucher ja gar nicht mit, wo dieses Zeug überall eingesetzt wird. Was gibt es denn für Alternativen? Was könnte, z.B. die Deutsche Bahn ändern?  

Roland: Früher wurde ein Trupp beauftragt und die kamen mit der Heckenschere vorbei. Dann mussten die Pflanzen halt schnell weggeschnitten werden, bevor sie zu groß wurden. Das Geld spart man sich heute, stattdessen kauft man ein paar Tonnen Gift, dann fährt ein Zug vorbei und versprüht das alles.  

Eure Blumen hier blühen ja ganz prächtig. Was benutzt ihr?

Roland: Die sind komplett unbehandelt. Schon seit Jahren gibt es hier keinen Einsatz von Pestiziden oder irgendwelchen Mittelchen gegen Schnecken oder Ungeziefer. Die Vormieter hatten da allerdings noch eine andere Methode.

Wann bist du denn eigentlich auf die Biene gekommen?

Roland: Das Imkern hatte ich irgendwie immer schon im Blut. Ich bin ein bisschen familiär vorbelastet. Mein Großvater hatte früher in der Eifel Bienenhäuschen. Er ist allerdings schon lange verstorben, ich habe ihn leider gar nicht mehr kennengelernt. Mein Onkel hat dann den Hof übernommen und sich noch eine Weile auch um die Bienen gekümmert. Er fand aber nicht so einen großen Spaß daran und hat es dann eingestellt. Lustigerweise habe ich dann zusammen mit meinem Bruder angefangen, aber unabhängig voneinander. Er hat so ein bisschen den konventionellen Weg eingeschlagen, also hat das im Imkerverein gelernt und betreibt das auch heute noch so.  

Also, der nimmt den Bienen den Honig weg.  

Roland: Er macht das halt so wie die klassischen Imker. Ich bin da ja eher durchgeknallt und mache das alles ganz anders.

Du nimmst denen den Honig gar nicht weg?

Roland: Im Moment nicht, aber ich werde denen bald auch wieder Honig wegnehmen. Wenig, nur soviel, dass ich nicht dazufüttern muss. Das heißt soviel, wie sie entbehren können. Das kann man anhand der Volksstärke abschätzen und wie viel Honig sie haben.  

Du baust denen ja sogar auch kleine Häuser. Also, in meinem Imkerverein sahen die anders aus. Da gab es die klassischen Kästen. Aber erzähl uns erstmal was über Chelifer, den Bücherskorpion. Der lebt da jetzt auch mit den Bienen, oder?  

Roland: Ganz ursprünglich gibt es die Pseudoskorpione bzw. Bücherskorpione schon seit Millionen Jahren in Europa. Hier ist er allerdings nur in geschützten Räumen verbreitet, sprich in Baumhöhlen. Er ist ein Rindenbewohner, also er braucht schon seinen Unterschlupf oder Rückzugsort, um mit der Kälte und Feuchtigkeit klar zukommen.

Da ist der kleine Sauger

Was genau ist denn ein Pseudoskorpion?

Roland: Das ist die Gattung und der Bücherskorpion ist davon die spezielle Art. Ich glaube es gibt an die 2000 verschiedene Pseudoskorpionarten, die so aussehen wie Skorpione, aber eigentlich keine sind. Das sind Spinnentiere (Arachnida), die haben auch Giftzähne, aber keinen Stachel, wie bei einem Skorpion. Mit diesen Zähnen betäuben sie ihre Opfer. Die saugen gerne kleine Käfermaden oder Milben aus, eben auch die Varroamilbe, die die Biene so plagt. Die Bücherskorpione packen also die Milbe, betäuben sie und wenn die Betäubung wirkt gehen sie mit ihren Mundwerkzeugen hin, pumpen ein Sekret in das Opfer rein und das löst im Grunde deren Innereien auf. Das ist wie so ein Pumpvorgang, geht immer hin und her, bis das “Opfer“ ganz leer ist. Dann bleibt nur noch eine kleine Hülle übrig, die sieht man dann ganz gut unterm Mikroskop.

Klingt wie aus einem Horrorfilm, aber die Milben haben es nicht anders verdient. Schön auch, wie du diesen ja doch schon gruseligen Prozess ganz ruhig mit dieser selbstverständlichen Stimme erzählst. Aber keine Angst, liebe Leser. Der Bücherskorpion ist für Menschen harmlos und ganz winzig.  

Roland: Die Körper sind wirklich nur drei Millimeter groß. Und mit den Scheren vielleicht vier Millimeter. Ich kann dir gleich gerne ein paar zeigen. Wir können eh mal zu den Bienen gehen und da reinschauen, weil dort die Bücherskorpione schon in Aktion sind.

Ja, gerne. Machst du das immer ohne Imkeranzug?

Roland: Das sind ganz liebe Bienen. Wenn ein Gewitter in der Luft liegt, dann sind sie etwas unentspannter, sind halt Wildtiere sozusagen. In jedem Volk gibt es ein paar Wächterbienen, die würden uns attackieren, wenn überhaupt. Aber das ganze Volk würde jetzt nicht über uns herfallen. Das kommt in der Natur vielleicht nur vor, wenn der Bär mit der Pranke nach dem Honig greift, dann ist das ganze Volk in Alarmbereitschaft. Die Wächterbienen werden in der Regel vom Imker mit Rauch beruhigt. Das mache ich aber nur, wenn ich weiß, dass ich jetzt richtig dran arbeiten will und die Behausung länger offen ist. Irgendwann werden die Bienen schon unentspannter und garstig, dann würde ich auch Rauch einsetzen, aber normalerweise, wenn ich nur kurz aufmache und eine Wabe hochziehe, braucht man das nicht. Wenn man merkt, dass die ersten Bienen ein bisschen aggressiv werden, dann fliegen die dich erst mal an und stechen nicht sofort. Wenn ich merke, ok, heute sind die nicht so gut drauf, dann mache ich den Kasten auch erst mal zu.

Dann bin ich auf deine Bienen mal gespannt. Ich habe ja schon einmal bei einem Imker bei der Honigernte geholfen und da war ich erst ganz mutig, ohne Schutz. War mir dann auf Dauer aber doch zuviel Gesumme im Haar und dann habe ich Handschuhe und einen Kopfschutz getragen. Aber ich wurde nicht gestochen. Du aber wahrscheinlich schon?  

Roland: Ja, klar. Die Stiche merkt man dann aber auch irgendwann gar nicht mehr so sehr. Inzwischen gehe ich auch in die Bienen rein, wenn ich einen Bienenschwarm habe. Das ist gar kein Problem. Wenn du dich langsam bewegst, dann stechen sie dich in der Regel nicht. Und wenn du dann doch mal einen abbekommst, ist man wirklich unempfindlicher, was das angeht. Also, im Gesicht kann ich sie auch nicht so gut haben, da werde ich auch unruhig. Dann ziehe ich es auch vor einen Schleier anzuziehen oder mich zu entfernen.

Der Bienenflüsterer geht ganz nah ran

Und du bist ja jetzt auch richtig am forschen und baust die Bienenbehausungen selber…

Roland. Ja, die Beuten (Behausung, Nisthöhle der Bienen) hier sind jetzt auch schon ausgestattet mit Sensoren und Feuchtigkeit. Die Geometrie orientiert sich an Baumhöhlen. In der Natur hast du ursprünglich Baumhöhlen mit einem Durchmesser von 20 cm und einer Höhe von 1,40 Meter. Das ist die Geometrie, wie sie die Bienen in der Natur vorgefunden und 45 Millionen Jahren entwickelt haben. Und dann liegt es ja auf der Hand, dass sie sich an diese Behausung angepasst haben. Die Evolution hat dort stattgefunden. Sie haben dicke Holzwände, die als Wärmedämmung dient, so wie bei uns zu Hause. Jetzt bekommen sie von Imkern diese Holzkisten, die sind flach, sehr breit und haben sowieso auch ein größeres Volumen als die Baumhöhlen. Und es gibt keine Wärmedämmung, weil die Wände gerade mal aus einer 2 cm langen Holzschicht bestehen. Wo auch immer die Vor- und Nachteile an diesen Systemen liegen, es muss ja jedem sofort einleuchten, dass das nicht besonders viel mit der natürlichen Behausung zu tun hat.

Sehr interessant und leuchtet sofort ein. Ist ja ähnlich mit dem Plattenbau in Berlin. Hat mit einer natürlichen Behausung auch nichts zu tun…obwohl es wieder voll angesagt ist, da zu wohnen…  

Roland: Die Biene ist ja unglaublich flexibel. Die wurde von den Ägyptern schon in Tontöpfen gehalten, im Grunde kannst du die auch in der Blechdose halten, die bauen überall und kommen augenscheinlich erst mal klar. Das Spannende ist aber herauszufinden, was die optimale Baumhöhle ausmacht, denn natürlich sehen die auch alle unterschiedlich aus. Es gibt welche, die sind breiter, es gibt Bäume, die sind innen klatschnass, da kommen die dann mit einer unglaublich hohen Feuchtigkeit klar. Dann gibt es abgestorbene Baumhöhlen,die sind knochentrocken, aber da leben sie auch. Deshalb ist es ja auch so schwierig zu sagen, was genau denn jetzt die richtige Bienenbehausung ist. Deshalb fällt es den Leuten, die diese Kunststoffbeuten vertreiben auch so leicht zu sagen, naja, es gibt ja nicht die eine Beute, sie kommen ja mit allem möglichen klar. Stimmt ja einerseits, aber es gibt so ein paar Hintergründe, die viele gar nicht wissen und da bin ich halt dabei die zu erforschen.

Ein Ding, wo ich mir inzwischen ziemlich sicher bin und das eigentlich auch kaum jemand weiß, ist, dass sich durch die Wärmedämmung außen der Taupunkt verschiebt, das kennt man auch beim Häuserbau. Wenn innen die Wärmedämmung ist, also das Bienenvolk, dann hast du ein bisschen Wabenbau und dann kommt die dicke Wärmedämmung, die Holzschicht der Baumhöhle. Dann gibt es ein Temperaturgefälle, das geht so langsam runter in den Baum. Bei einer bestimmten Temperatur ist der Taupunkt erreicht und es bildet sich Kondenswasser. Das Kondenswasser fällt also im Baum an oder, was auch passieren kann, an der Innenseite der Baumhöhle. Es sammelt sich somit nicht im Wabenbau. Wenn du allerdings eine schlechte Außendämmung hast, wie eben in gebräuchlichen Magazinbeuten, dann geht das Temperaturgefälle innerhalb des Wadenbaus so weit runter, dass du an der Innenseite der Behausung schon die gleiche Temperatur hast, wie an der Außenseite. Das heißt, das Kondenswasser sammelt sich im Wabenbau an. Und genau hier dürfte das Problem liegen. Das Problem ist nicht, dass du klitschnasse Holzwände hast, sondern das Problem ist, wo das Kondenswasser anfällt. Fällt es im Wabenbau an oder erst am Rand? Am Rand kommen die Bienen mit der Feuchtigkeit klar, im Wabenbau stellt es ein großes Problem dar. Denn da hast du eine hohe Luftfeuchtigkeit von 100% und dann stellt sich durch diese Feuchtigkeit auch im Honig eine Ausgleichfeuchte ein. In der Regel entziehen die Bienen dem Honig die überschüssige Feuchtigkeit, um ihn haltbar zu machen. Aber durch die Luftfeuchtigkeit wird der Honig dann wieder feuchter. Im Herbst, wenn es noch einigermaßen warm ist und sich Keime und Hefepilze vermehren können, bekommt der Honig eine größere Feuchtigkeit und ist plötzlich nicht mehr haltbar. Das kann ich jetzt noch nicht beweisen, dass dieser Honig dann umkippt, aber es gibt bereits Studien von Bieneninstituten, die genau das belegen.

Ich mache halt gerade noch Versuche über Honig- und Luftfeuchte, damit ich das dann auch belegen kann.

Jugend forscht

Hui, kann man das noch mal irgendwo nachlesen? * (Ja, bitte hier entlang). Für dich ist das wahrscheinlich auch logisch, weil du dich ja mit Holz und Feuchte auskennst. Du hast ja mal Bauingenieurwesen studiert.

Roland: In Holz gibt es immer eine Ausgleichsfeuchte. Holz und Luft reagieren aufeinander. Wenn es nachts kalt ist, dann saugt sich der Tisch mit Feuchtigkeit voll.

Und da machst du dann regelmäßig Versuche?

Roland: Genau, die mache ich im Keller. Ich habe da meine verschiedenen Gläschen. Erzeuge künstliche Luftfeuchtigkeit, messe vorher die Feuchtigkeit des Honigs, das kann man mit einem Gerät relativ genau feststellen. Den Honig gebe ich dann in ein Glas, verschließe es und erzeuge darin eine gewisse Luftfeuchtigkeit, die relativ hoch ist, so 95%. Und dann kontrolliere ich alle paar Wochen, was der Honig für eine Feuchtigkeit hat.

Ist es so, dass zu viel Feuchtigkeit dann auch den Geschmack oder die Qualität des Honigs verringert?

Roland: Das ist es natürlich was den Imker als erstes interessiert. Der will tatsächlich die Feuchtigkeit auch raus haben, damit es ein vernünftiger Honig mit langer Haltbarkeit ist. Dem ist egal, ob es für die Bienen haltbar ist. Der Honig dient ja eigentlich als Wintervorrat für die Bienen. Wenn der im Herbst umkippt, dann gehen sie natürlich ein, weil es nichts zu essen gibt.

Und natürlich nisten sich bei zu hoher Feuchtigkeit auch mehr Ungeziefer und Parasiten ein.

Roland: Ganz genau. Ein Parasit, der schon in den Startlöchern steht und in Italien weit verbreitet ist, hier wahrscheinlich auch bald, ist der kleine Beutekäfer. Er sorgt für massive Schäden in Bienenvölkern. Der pflanzt sich, ähnlich wie die Wachsmottenlarve, bei hoher Feuchtigkeit sehr viel besser fort. Der legt seine Eier an den Rand des Wabenbaus und wenn es da schön feucht ist, vermehrt er sich sehr schnell. Und in den modernen Magazinbeuten haben wir eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit und deshalb vermehren die sich da vermutlich sehr viel schneller, als eben früher in normalen Baumhöhlen. Den Vergleich mit den Baumhöhlen gibt es hier jetzt auch noch nicht so lange, weil die einfach nicht so verbreitet sind, geschweige denn auch mit Sensoren ausgerichtet.

Und was hältst du von der Stadtimkerei, die ja auch immer mehr verbreitet ist.

Roland: Du hast halt in der Stadt zumindest nicht diesen flächendeckenden Chemieeinsatz. Es sei denn, irgendein Trottel setzt auf seinem Balkon den Mist ein und ein Teil der Bienen verliert dadurch die Orientierung und verreckt. Aber es kommt in der Regel nicht dazu, dass ganze Völker verschwinden. Das passiert bei einem Rapsfeld, das chemisch behandelt wird und vom kompletten Volk angeflogen wird, dann haben die Bienen keine Chance und kommen nicht mehr zurück. Das Perverse ist ja auch, sie sterben nicht direkt, sondern verlieren die Orientierung und finden nicht mehr zurück. Und das endet dann immer tödlich.

Summ summ summ. Ich war auch nah dran

 

Wer noch mehr über die Wildbienen, Honigbienen, etc wissen möchte, der kann sich das alles hier bei NABU durchlesen.

Und zur Wärmedämmung, Kondenswasser und physikalische Eigenschaften von Bienenbeuten erklärt Roland Sachs auf seiner Webseite noch mal alles ausführlicher.

 

Bildquellen

  • roland_sachs_und_seine_beute: JLue8
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