„Ich bin ambitioniert den Arsch an die Heizung zu kriegen und da muss man halt viel schreiben.“

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Ein Treffen mit Dr. Martin Seeliger in Hamburg. Der erste Satz nach der Begrüßung lautete: „Boah, ich fühle mich heute ganz komisch und habe so viel im Kopf. Ich glaube, ich werde schwachsinnig.“ In St. Pauli treffe ich den Soziologen, Musiker und Rap-Experten zum kulinarischen Gespräch. Bei veganen Burritos in der Kombüse erzählt er von seinen Auslandsaufenthalten und Forschungsarbeiten auf der ganzen Welt (Südafrika, Mexiko etc.), seiner Punkband Shitlers und die Begeisterung für Gangsta-Rapper und Serien. Linus Volkmann mag er sehr. Mit seinem Kumpel Alex von der kommerziellen Band Slime reist er gerne und isst jeden Tag in Thailand verkatert beim Italiener um die Ecke. Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit? Man weiß es nicht genau. Auf jeden Fall wurde viel gemotzt und ich habe mich köstlich amüsiert. Lach- und Saufgeschichten, die der Mann aus dem Ruhrpott auch als Buch herausgeben könnte. Neben seiner Doktorarbeit hat der begeisterte Hobbykoch auch einige Bücher und Aufsätze veröffentlicht. Und dann ist er auch noch ein hervorragender Imitator von Jean Pütz. Ein toller Typ! Danke, Martin.

Du hast einen Doktortitel der Soziologie und bist sehr viel unterwegs. Weil wir hier gerade Burritos essen, in Mexiko warst du ja auch schon. 

Martin: Ja, ich war schon öfter da. Im Urlaub, aber auch von der Arbeit aus. Ich habe Sozialwissenschaften studiert und weil ich gar nicht gut in Mathe bin, musste ich immer Interviews führen, um meine Forschungen zu machen und da muss man natürlich auch immer vor Ort sein.

Vegane Burritos aus der Kombüse

Südafrika war auch schon dabei.  

Martin: Ja, in Johannesburg, wobei Kapstadt viel schöner ist. Aber in Johannesburg sitzen die Gewerkschaften. Da habe ich dann mehr zu tun.

Und wie kann man sich das genau vorstellen. Wie kommst du zu deinen Forschungsarbeiten. Suchst du dir das selber aus?

Martin: Die Projekte für die ich Geld bekam habe ich mir nie ausgesucht. Das waren immer so ganz normale Jobs. Ich bin dann über die Soziologie zur Automobilforschung gekommen und musste mich da auch erst mal einfühlen. An diesen Autoindustrie-Jargon muss man sich erstmal gewöhnen. Da waren dann so Leute, die in ihrer Autoforschersprache geredet haben: „Ja, der Saphira, der hat zwei Meter Radstand der wird in China nicht laufen…“ und solche Sachen. Ich dachte nur, oh je, das wirst du nie verstehen. Wovon reden diese Männer. Nach einer Weile ging das aber. Dann gefiel mir das ganz gut und ich habe meine Masterarbeit darüber geschrieben. Über dieses Projekt bin ich ziemlich schnell zu Volkswagen nach Mexiko gekommen. Das lief über die Uni Bochum und war eine halbe Stelle, so konnte ich nebenbei noch viel über Ganster-Rap schreiben. Nach zwei Jahren wurde dann doch keine Doktorarbeit daraus, weil mein Spanisch nicht so gut war. Ich fand das Thema aber auch nicht so interessant. Es ging um Personalmobilität in internationalen Unternehmen am Beispiel von VW. Ich bin dann nach Köln gewechselt und habe die Doktorarbeit stattdessen über den europäischen Gewerkschaftsbund geschrieben. Das war schon interessanter, weil es auch politischer war. Jetzt mache ich diese Gewerkschaftsforschung schon seit zehn Jahren und habe mich da so reingefuchst. Wenn man sich mit dem Thema länger beschäftigt wird das schon interessant.

Du hast ja auch schon einiges darüber veröffentlicht. 

Martin: Ja, vier Bücher und 15 Aufsätze oder so. Damit ist das Thema aber auch ausgereizt, mehr geht da nicht. Ist vielleicht auch schon zu viel, aber ich bin ambitioniert, den Arsch an die Heizung zu kriegen und da muss man halt viel schreiben.

Das scheint ja ganz gut bei dir zu laufen. Aber zurück zum Thema, lecker Essen. In welchem Land hat es dir am besten geschmeckt? Seit wann isst du vegan?

Martin: Seit 2001 oder so. Ich war aber auch schon lange Vegetarier wegen Michel aus Lönneberga. Die hatten da diese Schweineschlachtung und meine Mutter hat auch immer versucht mir das Fleisch unterzujubeln: „Komm, da ist doch jetzt gar nicht viel Bolognese dabei. Ist doch mehr Tomatensoße.“ Das wollte ich aber nicht. Irgendwann habe ich mich dann durchgesetzt. Das beste Essen gab es in Thailand beim Italiener. Da waren wir jeden Tag beim Italiener.

Ich erinnere mich. Die lustige Urlaubsreise konnte man bei Facebook verfolgen. „Guten Appo“. 

Martin: Ja, genau. Mit Alex. Da sind wir morgens, mittags und abends immer zum Italiener. Drei Wochen lang.

Immer nur Pasta? Oder doch auch mal Reis? 

Martin: Nee, Reis habe ich da ganz selten gegessen. Einmal waren wir beim Inder. Da gab es Reis mit Masala.

Aber warum geht man in Thailand zum Inder und Italiener? 

Martin: Es gab allgemein in diesem Urlaub nicht so viele Variationen. Also, das hätte auch was anderes sein können. Du musst dir das so vorstellen: Wir saßen drei Wochen lang in diesem Hotel und haben nichts gemacht. Es war ja auch so heiß.

Das hört sich ja nach einem guten Urlaub an.  

Martin: Wir haben natürlich viel getrunken und da kamen wir morgens nicht so gut in die Gänge. Da war einem schlecht und man hat erst mal lange nichts gegessen. Dann kam der Hunger und der Italiener war halt gleich um die Ecke.

Das Meer war dann auch viel zu weit weg? 

Martin: Nee, das war gleich vor der Tür, aber da waren wir auch eher selten. Das war schon irre. Wegen dem Jetlag konnte man anfangs nicht so viel machen und dann natürlich auch wegen dem Saufen und es entwickelte sich dann auch zu einem Witz. Nach so 1 ½ Wochen war der Witz natürlich durch und dann war es einfach normal.

Habt ihr schon einen neuen Urlaub geplant? 

Martin: Ja, diesmal geht es nach Goa.

(Kreisch!). Verstehe. Da werdet ihr ja bestimmt auch wieder viel sehen und entdecken. 

Martin: Ich bin beruflich im Januar und Februar erst mal in Israel und der Alex kommt auch dahin. Und dann fliegen wir weiter nach Goa. Torsun (Sänger von Egotronic) war ja auch kürzlich mit seiner Frau da, dem machen wir das einfach nach. Der Alex hat schon gesagt, er will diesmal ein bisschen mehr vom Land sehen. Von der Idee bin ich ja jetzt nicht so begeistert.

Ach, da findet ihr bestimmt auch einen Italiener. 

Martin: Ja, ich glaube auch, das ist genauso scheiße touristisch, wie Thailand. Da bleiben wir auf jeden Fall drei Wochen.

Da wünsche ich euch jetzt schon mal viel Spaß. Ich freue mich schon auf die Guten Appo-Fotos auf Facebook. 

Musik und Essen passt das für dich zusammen?

Martin: Passt nicht so gut zusammen. Es gibt wenige, die das geschafft haben. DJ Ötzi, zum Beispiel mit seinem „Burger Dance“ (Anmerkung: aus persönlichen Gründen zeige ich das Video hier nicht).

Kenne ich nicht.

Martin: Das geht so (singt): Ne Pizza Hut, ne Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken und ne Pizza Hut… Mc Donals, Mc Donalds…“ Also, das haben die schon ganz gut gemacht. Oder natürlich auch: „O lala, willst du eine Pizza“…

Klar, von De Höhner

Martin: Und natürlich „Currywurst“ von Grönemeyer. Es ist schon möglich. Aber ich konzentriere mich beim Essen auf YouTube. Also, so Dokumentationen. Ich höre allgemein nicht mehr so viel Musik. Nur noch beim Joggen. Van Halen und stelle mir vor, ich wäre Eddie Van Halen.

Mit Rapmusik beschäftigst du dich aber schon noch?

Martin: Ja, aber da ist ja eher dieser ganze Zirkus drumherum das Interessante. Die tun natürlich immer so, als wäre das so bemerkenswert, was die da machen. Argumentieren über ihre Musik, hier nimm mich zur Kenntnis. Aber wenn man mal ehrlich ist, dann geht es einem ja vorwiegend um die Typen, die Rapper und nicht um die Musik.

Ich kenne mich in dem Genre ja nicht so aus, aber ich verfolge Sido auf Instagram und der postet viele Essensfotos.

Martin: Der hat auch ganz schön zugelegt in den letzten Jahren.

Wer ist denn für dich der beste deutsche Rapper?

Martin: Panik Panzer (Antilopen Gang).

Wolltest du denn auch mal eine Hip Hop Band gründen? 

Martin: Nee, eigentlich bin ich schon jemand, der alles was er mag auch gerne selber machen möchte. Da gibt es aber zwei Sachen, wo das nicht der Fall ist: Fußball und Rap. Wahrscheinlich auch deswegen, weil ich schon wusste, dass ich das nicht gut kann.

Dafür hast du ja auch eine Punkband, aber dazu später mehr. Wie würde ein cooles Rap-Gericht heißen?  

Martin: Döner-Pizza. Nee, Gyros-Pizza oder so. Ich sage das deswegen, weil der Panik Panzer in einem griechischen Imbiss in Köln immer Gyros-Pizza gegessen hat.

Mit welchem Gangsta würdest du gerne mal kochen oder essen gehen?

 Martin: Mit Arafat Abou Chaker, dem ehemaligen Schutzpatron von Bushido. Ich würde aber mit den meisten Gangstern gerne mal essen gehen. Ich fahre da voll drauf ab. Ich gucke auch immer „4 Blocks“ und sowas. Mit so Gangstern setze ich mich gerne auseinander.

Magst du „4 Blocks“?

Martin: Hättest du das jetzt nicht so suggestiv gefragt, dann hätte ich geantwortet, ja, finde ich gut. Ich gucke die auch wirklich gerne und warte jeden Donnerstag auf die neue Folge. Da bin ich schon Fan. Aber natürlich kommen darin Sachen vor, die ich einfach scheiße finde. Diese polnische Freundin von Abbas, die ist vom Charakter viel zu krass und sowas nervt mich einfach. Das ist dann so klischeemäßig. Manchmal gehen mir da auch Sachen viel zu schnell.

Was ist das Lieblingsgericht aus deiner Kindheit? 

Martin: Pfannkuchen

Lecker. Kann man ja auch mit Sojamilch zubereiten. 

Martin: Könnte ich, mach ich aber nicht.

Kochst du gar nicht zu Hause?

Martin: Nee, das ist Frauenarbeit.

Du mich auch. Was magst du denn gar nicht? 

Martin: Nee, entschuldige, ich koche schon gerne und viel. (grins)

Ja, ja, Pinocchio. Zu spät, das wird hier alles wahrheitsgetreu festgehalten. 

Martin: Was mag ich gar nicht…Gemüse, nein. Ach, da gibt es vieles. Käse mag ich nicht. Und so Pudding mag ich überhaupt nicht. Kakao, auch Bäh.

Schokolade? 

Martin: Nicht so meins. Ich mag Waffeln mit Schoko überzogen, wenn sie gut sind. Und Nussecken. Aber sonst diese ganze Süßspeisen…nee, das ist mir zu viel.

Wie sieht das perfekte Shitlers-Gericht aus?  

Martin: Das wäre so eine spätrömische Judikative.

Ach so, ich meinte eigentlich eine Speise, aber lassen wir so stehen. Gibt es euch eigentlich überhaupt noch? 

Martin: Nein.

Habt ihr euch aufgelöst?  

Martin: Ja.

Dann erübrigt sich die Frage, welcher Promi im nächsten Shitlers-Video mitspielen wird. 

Martin: Wenn es noch mal dazukäme, dann wäre das wahrscheinlich Angela Merkel. Wenn sie dann bald nicht mehr Bundeskanzlerin ist, dann hat sie vielleicht Zeit. Bis dahin gibt es die Shitlers vielleicht auch wieder.

Und wie würde dann der Song heißen?  

Martin: Das wäre dann der EM-Song und der heißt „Shitlers gehören zu Deutschland“.

Hast du schon mal einen Studenten von dir mit einem Shitlers T-Shirt gesehen?

Martin: Das kommt immer wieder vor. Die sind da nicht so vorsichtig, wie wir es damals gewesen wären. Durch das Internet haben die gar keine Distanz mehr. Die sind groß geworden in einer Zeit, in der alles digital funktioniert und denken auch nicht, dass es nötig ist, dem Künstler ein bisschen Freiraum zu gewähren. Das kennen die heute gar nicht mehr. Für die ist alles selbstverständlich.

Bist du mit denen denn auf Facebook befreundet?

Martin: Teilweise ja. Ich lasse ja nichts aus und nehme alles an. Da ergeben sich schon so einige peinliche Situationen. Die habe ich allerdings vergessen, weil ich so besoffen war. Neulich habe ich sogar welche gesehen, die haben gekifft.

Hast du sie dir gleich zur Brust genommen und ermahnt?

Martin: Klar. Ich habe gesagt, das geht so nicht.

Was gibt oder gab es zum Essen, wenn die Shitlers mal proben? 

Martin: So richtig gute Essensgeschichten kann ich eigentlich gar nicht erzählen. Außer vielleicht damals in Herne, wo wir mal geprobt haben. Da gab es einen Italiener und da habe ich immer Pizzabrötchen gegessen und Frank hat sich immer eine kleine Pizza Margherita gekauft.

Italienisches Essen magst du schon gerne.  

Martin: Ja, die italienische Küche hält ja einige Varianten für Veganer bereit. Aber so insgesamt mit Shitlers und Essen… Ich war mit Frank ja oft zusammen im Urlaub und da haben wir auch viele vegane Gerichte gegessen. Aber beim Proben war das nie so ein Thema. Früher in Bochum waren wir oft bei La Bufala, auch ein Italiener. Da gab es dann aber einen Todesfall und die mussten schließen, das ist sehr schade. Der war sehr günstig und war der beste Italiener in der Stadt. Das kann ich ohne Überzeugung, haha, ohne Übertreibung meine ich, sagen. Ich glaube, die haben auch Geldwäsche betrieben. Leider haben die nie wieder aufgemacht.

Und wo gehst du jetzt gerne hin? 

Martin: Ich gehe gerne zur Pizzabande. Gehe viel zum Schanzendöner oder auch in einen Sushiladen bei mir um die Ecke. Oder zu La Tasca. Das ist ein Tapasladen. (Jetzt kommt Martin in Fahrt). Dann gehe ich zu Slim Jims, wobei sich das mit Pizza bei mir gerade so ein wenig erledigt hat. Das liegt daran, dass ich letzte Woche eine vegane Margherita gegessen habe und weil ich so Hunger hatte, habe ich mir noch eine bestellt. Und seitdem bin ich damit erst mal durch. Das ist ein bisschen wie das Sandwichmaker-Phänomen. Man hat den immer auf dem Küchenschrank und holt den alle zwei Jahre runter. Isst dann drei Tage nur Sandwiches, ekelt sich schon vor sich selbst und den Sandwiches. Dann stellt man ihn wieder hoch und da bleibt er dann wieder die nächstens zwei Jahre. Dieses Problem hatte ich jetzt auch mit Slim Jims.

Und warum wolltest du nicht zu Vincent Vegan?  

Martin: Das ist richtig scheiße da. Mein Freund der Ben hat auch mal einen Burgerstand gehabt. Der hat schon immer zu mir gesagt, Vincet Vegan ist ein Hurensohn.

Darf ich das so zitieren? 

Martin: Ja, natürlich. Deshalb hat der mich auch immer besonders interessiert. Beim Reeperbahnfestival bin ich dann da mal hingegangen, da war dann auch so ein Foodfestival. Da habe ich was gegessen, das war eigentlich auch sehr lecker. Dann bin ich später noch mal hin, in die Europa Passage, da ist der ja auch und da gab es diesen Vinegar Champignon Sud. Und dann habe ich die gefragt, ob das mit richtigen Champignons ist oder nur mit dem Sud. Und dann meinte die Olle, die da gearbeitet hat: „Nee, ist nur der Sud“. Dann dachte ich, ja geil, weil ich Champignons hasse, wenn die so labbrig sind, wirklich ganz schlimm. Und dann bekomme ich den Burger, ja, voller Champignons (Reg auf). Und dann bin ich da wieder hin und meinte zu der: „Du hast doch gesagt, dass ist nur der Sud.“ Und sie so: „Ja, das ist doch Sud.“ Und ich so: „Bist du bescheuert? Weißt du überhaupt was Sud ist?“ Also, ich kann das nicht empfehlen da hin zu gehen. Wer nicht weiß, was Sud ist, der kann das gerne googlen. Aber wenn man Sud verkauft, dann muss man wissen, was das ist.

Voll unfähig. 

Martin: Ja, unfähig und unfair, in dem Fall mir gegenüber.

Hast du die Pilze dann rausgepuhlt und trotzdem den Burger gegessen?  

Martin: Das waren Pilze, nicht Pisse. Entschuldige. Nein, ich habe den Burger liegen gelassen und nur die Pommes gegessen.

War dann vorbei mit Sud. Ich sehe schon, du bist da sehr streng…  

Martin: Was heißt streng? Ja, das kann man so sehen, aber ich erwarte halt, dass man sich an Vereinbarungen hält.

Jetzt bist du ja richtig in Fahrt. Was war denn das schlimmste Catering?  

Martin: Das ist eine einfache Frage. Das schlimmste Catering war vom Fichli in Düsseldorf.

Darf ich das auch so schreiben? 

Martin: Ja, natürlich. Der Fichli veranstaltet Konzerte im Tube und ist für sein schlechtes Catering bekannt. Der serviert immer so alte Salamibrötchen auf Papptellern mit Alufolie überzogen. Der schmiert die wahrscheinlich schon immer drei Tage vorher.

Und dann wellen die sich so schön an der Seite. Und dazu eine Tüte Chips?  

Martin: Du, das klingt jetzt wie ein Witz, aber ja, eine Tüte Chips war auch noch dabei.

Wechseln wir doch wieder zu den schönen Themen. Welches Land willst du denn auf jeden Fall noch besuchen, beruflich und/oder auch privat?

 Martin: Brasilien. Ich glaube, übernächstes Jahr werden der Alex und ich zusammen nach Südamerika fliegen.

Na, der Alex hat ja dann auch immer viel Kohle…  

Martin: Ja, als Schlagzeuger bei Slime verdienst du einiges. Slime ist ja eine total kommerzielle Band und deshalb hat der so viel Geld. Der spielt ja auch noch in anderen Bands und veranstaltet das Ruhrpott Rodeo.

Dann ist der ja ein halber Millionär. 

Martin: Ja, ja. Diese ganze Kommerzialisierung von Punk hat den Alex reich gemacht. Deswegen können wir auch diese tollen Reisen machen. Das ganze Punkgeld geben wir da aus.

Dann sollte ich auch wieder eine Punkband gründen. 

Martin: Klar, frag ihn mal.

(Mittlerweile sind die Burritos fertig. Wir lassen den Rekorder aber einfach weiterlaufen.) 

Was ist denn deine Lieblingskneipe in St. Pauli oder generell in Hamburg? 

Martin: Das ist ganz unterschiedlich. Früher war ich viel im Jolly Roger. Und vor langer Zeit im Skorbut, aber das hat schon lange zu. Alex und Rebecca die das gemacht haben sind aufs Land gezogen, weil denen das zuviel wurde, aber das war die geilste Kneipe. Dann war ich viel im Clochard, aber das ist zu ekelhaft. Das geht eigentlich nicht mehr. Mit Linus war ich oft in der Mutter. Meine Lieblingskneipe heute ist hier gleich nebenan, das Lüttje Lüüd. Das ist ein Kulturzentrum, das machen Freunde von mir. Da gibt es auch so eine politische Gruppe „Roter Aufbau Hamburg“. So eine kommunistische Organisation, was mir ziemlich gleichgültig ist, aber ich mag die Leute sehr gerne. Da sind auch keine Studenten von mir.

Woher kennst du Linus Volkmann eigentlich? 

Martin: Vom Lesen. Ich habe mal ein Buch von ihm gelesen, so ein gelbes und das fand ich total scheiße. Und dann habe ich ihn mal auf dem Geburtstag von Tobias, also Panik Panzer, kennengelernt und der war so nett. Seitdem bin ich vom Linus Volkmann und seiner Arbeit sehr überzeugt. Ich finde toll was er macht. Der ist so ein netter Typ. So blitzgescheit. Kann immer alles so gut formulieren, beobachten und auf den Punkt bringen. Er hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ich kann über den Linus eigentlich nur Gutes sagen. Es gibt so ein paar Leute zu denen gehört er. Der Benny ist auch so jemand. Das sind einfach tolle Typen.

Guten Appo mit Martin Seeliger

Was gibt es bei euch zu Weihnachten? 

Martin: Pommes. Meine Mutter macht die immer selbst. Die schneidet die Kartoffeln ganz klein und brät die in einem Wok an. Dazu gibt es Rosenkohl. Meine Eltern machen sich dann noch ein Rumpsteak oder so was dazu. Meine Mutter ist die Einzige in der Familie die Weihnachten gut zelebriert wissen will. Ich will eigentlich immer nur Sachen geschenkt kriegen. Für mich war das immer nur wegen den Geschenken wichtig. Ich bin ja auch Einzelkind und das hat sich immer schon gelohnt.

Die beste Pommesbude im Pott? 

Martin: Der Chef in Bochum, Ehrenfeld.

Ach, in Bochum gibt es auch ein Ehrenfeld. 

Martin: Ja, ich bin von Bochum Ehrenfeld nach Köln Ehrenfeld gezogen.

Ach, herrlich. Und ich von Köln nach Neukölln.  

Martin: Nach Berlin komme ich wahrscheinlich auch bald wieder zurück.

Dann sehen wir uns da ja demnächst.

Martin: Gerne.

Bildquellen

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