Bei Fisch muss Andreas Dorau würgen.

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Es war ein schöner Tag in Berlin und Andreas Dorau stand auch schon pünktlich am Zeitungsstand im Hauptbahnhof. Ein Interview mit dem Deutschlandfunk hatte er bereits hinter sich. Ein praktischer Treffpunkt, denn nach unserem Gespräch konnte er sich gleich wieder in den Zug setzen und nach Hamburg fahren. Berlin mag er nämlich nicht so gerne. Und das ist nur eins von vielen Dingen, die der Musiker nicht mag. Essen und diesen ganzen Hype darum findet er eigentlich auch albern. Er kocht nie für sich alleine, und wenn dann mal für seine Freundin, aber ohne ein Glas Wein am Herd oder Musik im Hintergrund („Ich zelebriere das ganz bestimmt nicht“). Und die Freude auf das berühmte Fischbrötchen am Hamburger Hafen versaut er einem auch sofort. Er mag keine Brote und bei Fisch muss er würgen. Noch Fragen?

Willkommen beim Schleckermäulchen, lieber Andreas. Der Hamburger entpuppt sich als liebevoller Motzi und ich hatte sehr viel Spaß, auch wenn er mich öfter aus dem kulinarischen Konzept brachte. Der Mann war schon mal in den Album-Charts und hat es auch mit seiner neuen Platte „Das Wesentliche“ wieder geschafft. Schon wieder ein richtig gutes Dorau-Tanz-Parolen-Paket. Wer braucht schon Strophen? Refrains sind die wahren Hits! Und nach dem Interview wisst ihr auch, wen ihr demnächst unbedingt zum Abendessen einladen müsst. Und nicht die Kerzen und den guten Wein vergessen. Aber jetzt mal Butter bei die Fische, ne. (Hahaha)

Was gab es heute bei dir zum Mittagessen?

Andreas: Obwohl ich aus einem bürgerlichen Haushalt stamme, war es bei uns früher immer schon so, dass wir keine festen Verabredungen zum Essen hatten. Deshalb halte ich mich da auch nicht an bestimmte Zeiten. Ungewöhnlicherweise habe ich mir heute Morgen, ich ignoriere die Frage jetzt mal, am Hamburger Bahnhof eine Leberkäs-Semmel gekauft, weil ich gestern noch einen bayrischen Film geguckt habe. Ansonsten schlafe ich im Zug immer ganz gerne…

Ist aber nicht so lange von Hamburg nach Berlin?

Zwei Stunden. Reicht, um die Zeit totzuschlagen.

Würdest du dich als Genießer bezeichnen?

Andreas: Nein, definitiv nicht.

Gibt es denn einen Lieblingsbäcker, Lieblingsladen hier am Bahnhof oder an einem anderen?

Andreas: Ich wusste, dass diese Frage kommt und deshalb habe ich auch darüber nachgedacht. Von dem kulinarischen Angebot hier am Berliner Bahnhof bin ich ehrlich gesagt enttäuscht. In Hamburg ist jetzt auch nicht viel besser, aber die Auswahl in Frankfurt mag ich ganz gerne. Richtig gut war auch der Kölner Bahnhof, denn die hatten mal einen Italiener mit Tramezzini und die waren richtig lecker.

Oh, fein. Gibt es den noch? Kommt mir gar nicht bekannt vor.

Andreas: Nee, den gibt es nicht mehr.

Ich finde die Auswahl in Köln jetzt auch nicht so dolle.

Andreas: Da gibt es immerhin noch einen Laden, wo man herzhafte Gerichte bekommt.

Schweinske?

Andreas: Nee, nicht Schweinske. Das ist ja eher neo-herzhaft. Ein anderer mit so kölscher Küche.

Kölsch is immer jut. Da kommst du ja gut rum. Aber der Berliner muss dann wohl noch dazulernen.

Andreas: Ja, das sollte er grundsätzlich.

Hast du ein Lieblingskochbuch? Mir wurde gerade dieses hier geschenkt. (Zeige ihm „So macht Kochen Freude“ von Thomas Voburka & Zipora Vogel.) Sozusagen ein nostalgischer Rezepte-Trip für die Toast Hawaii-Generation.

Andreas: Voburka, der hat doch ganz früher so eine NDW-Platte gemacht? Ich glaube, die hatte ich sogar.

Das ideale Weihnachtsgeschenk für Andreas Dorau

Genau. Er war Mitgründer 1979 des Labels Exil-System und hat einige Songs Anfang der 80er unter seinem Namen veröffentlicht. Später gab es auch Veröffentlichungen unter dem Namen Weltklang. Jetzt betreibt er mit seiner Partnerin ein Restaurant in Wien.

Andreas: Ich habe tatsächlich zwei Kochbücher, wo ich reingucke. Das ist das Sacher-Kochbuch und noch eins von Alfons Schuhbeck. Also schon eher so traditionelle Kochbücher.

Du magst es demnach auch ganz gerne deftig?

Andreas: Ab und zu, und obwohl ich den Typen echt nicht ausstehen kann, schau ich mir auch ein paar Jamie Oliver-Varianten an. Aber ich mag den nicht.

Ich mag den auch nicht, aber er hat oft ganz gute Rezepte. Schuhbeck mag ich aber auch nicht.

Andreas: Stimmt. TV-Köche sind generell etwas schwierig.  

Gibt es gar keinen, den du magst?

Andreas: Doch, da gibt es diesen einen total Kommerzer.

Tim Mälzer?

Oh Gott, bist du wahnsinnig.

Ein Älterer? Ach so, du meinst den, der mit dem kölschen Koch eine Sendung macht. Jetzt komme ich nicht auf den Namen…

Andreas: Den kölschen Typen (Horst Lichter) hat meine Mutter gerne gesehen. Ich fand den am Anfang auch ok, aber jetzt taucht der ja in jedem Format auf.

Den du meinst, der hat auch einen Schnauzbart.

Andreas: Ja, genau. Wie heißt der denn… Lafer.

Johann Lafer. Den mag ich auch.

Andreas: Das ist eher der konservative Typ, aber irgendwie kommt der ganz sympathisch rüber.

Du kochst also gerne.

Andreas: Gerne habe ich nicht gesagt. Ich koche. Nicht gleich übertreiben.

Kochst du auch für dich alleine?

Andreas: Nie. Wenn dann nur für meine Freundin. Alleine ernähre ich mich eher schlecht.

Läuft dabei Musik?

Andreas: Nein. Ich habe auch kein Glas Wein da stehen beim Kochen. Ich zelebriere das ganz bestimmt nicht. Furchtbar. Das ging ja mit Biolek los.

Nichts gegen Bio. Den liebe ich. Da habe ich mir jetzt noch eine Folge angeguckt.

Andreas: Aber wir reden doch jetzt über mich (grinst).

Entschuldigung.

Zu diesem Gericht muss man SIE sagen

Andreas: Dieses Essenkochen als halberotisches Erlebnis, finde ich eine furchtbare Vorstellung. Du siehst meine Arme sind jetzt auch schon verschränkt.

Ich sehe und muss schnell zu einem anderen Thema wechseln. Auf Spargel darf ich dich dann gar nicht ansprechen?  

Andreas: Habe ich schon dreimal dieses Jahr gegessen.

Alle sind ja eher angenervt von der Spargel-Saison. Verstehe gar nicht, wie man sich plötzlich darüber so aufregen kann. Es gibt nun schon Kolumnen darüber.

Andreas: Wer regt sich darüber auf? Was soll denn das? Ich esse auch Grünkohl in der Saison.

Zum Beispiel Margarete Stokowski. Es geht u.a. auch darum, dass die Arbeiter, die den Spargel stechen zu wenig Geld bekommen und Erntehelfer generell ausgebeutet werden.  

Andreas: Wie will man die Kette durchbrechen? Durch Spargel-Boykott? Damit löst man dieses Problem auch nicht. Im Gegenteil – die Spargelbauer erhöhen ihre Preise und dann glaubt wer daran, dass die Spargelstecher weniger ausgebeutet werden? Das ist doch Schwachsinn bzw. eine nicht zu Ende gedachte Logik. Ich kenne den Text jetzt nicht, aber finde es erst einmal einfach nur dumm.

Spargel ist mein Gemüse

Welche CD/Platte liegt zurzeit auf deinem Plattenteller?

Andreas: Keine.

Hast du noch einen Plattenspieler?

Andreas: Ja. Ich habe tatsächlich mal festgestellt, wenn ich im Prozess bin selber eine Platte zu machen ist es für mich besser, keine andere Musik zu hören.

Deine neue Platte „Das Wesentliche“ erschien am 7. Juni 2019. Einige Lieder darauf hast du aber schon vor langer Zeit geschrieben, oder? 

Andreas: Die Geschichte war, dass ich mit Martin Hossbach vom Pop-Kultur Festival gemeinsam ein Konzept erstellt habe, das wir für eine Förderung einreichen wollten. Hatten eigentlich auch alles schon zusammen, nur fehlten für den letzten Teil der Förderungsunterlagen noch ein paar Zeilen vom Autor, warum ihm das Projekt so am Herzen liegt. Das lag eine Woche vor mir bis ich Martin anrief und meinte: „Ich glaube, das liegt mir gar nicht so am Herzen, weil ich diese letzten Zeilen nicht hinbekomme.“ Ich konnte mir noch nicht mal irgendwas aus den Fingern lügen. Und dann fragte mich Martin, ob ich nicht Lust hätte, etwas bei der Pop-Kultur im Rahmen von „Commissioned Work“ zu machen. Da habe ich dann zugesagt und bin an dem Abend mit Liedern, die nur aus Refrains bestanden, aufgetreten. Das gefiel mir dann ganz gut und so entwickelte sich dann auch die Idee zu dem neuen Album.

Lieder ohne Strophen. Sehr gut. Was macht denn eine gute Komposition aus?

Andreas: Auf meiner Platte ist das Thema „Anti-Gute-Komposition“. Du hast dich nicht gut vorbereitet. (grinst)

Ich habe mich gar nicht vorbereitet. Das war jetzt auch eher allgemein gefragt, aber ich finde, bei jedem Song kann man doch von Komposition sprechen, ob sie gut oder schlecht ist, das ist noch mal eine andere Frage?!

Andreas: Wenn wir jetzt von einem klassischen Aufbau einer Komposition reden, der hat mich eigentlich nie interessiert. Aber ein gutes Musikstück sollte einen tollen Refrain haben und geschmackvoll instrumentiert sein.

Wann hast du denn zum letzten Mal deutlich „Nein“ gesagt (So heißt ein Stück auf der neuen Platte)?

Andreas: Fällt mir nicht auf, weil ich es zu oft sage.

Ist mir auch schon aufgefallen. Es gibt viele Leute denen es schwer fällt auch mal „Nein“ zu sagen.

Andreas: Das war jetzt gar nicht die Intention das Stück zu schreiben, aber mir fiel auf, dass sich doch viele Leute vor dem Wort „Nein“ drücken. Man sollte das Wort auch sehr deutlich aussprechen und nicht in sich hineinmurmeln.

Nein!

Warst du früher auch ein Neinsager beim Essen?

Andreas: Ja, ganz unangenehm. In Hamburg gibt es das Wort „krüsch“ (bezeichnet jemanden der wählerisch ist) und ich war als verwöhntes Kind bekannt, obwohl mir das damals gar nicht aufgefallen ist. Aber es gab Eltern von Freunden, die sagten: „Der kommt mir nicht mehr ins Haus.“ Man hat mir was angeboten und ich habe es ganz barsch abgelehnt.

Bist du Einzelkind?

Andreas: Nein, meine Schwester ist allerdings sechs Jahre älter und ich demnach das jüngste Kind und sehr verwöhnt.

Wurde für dich denn extra gekocht?

Andreas: Nein. Es wurde zweimal am Tag warm gegessen und abends gab es das Mittagessen immer noch mal aufgewärmt.

Gab es denn trotzdem ein Lieblingsgericht?

Andreas: Ich glaube, Spaghetti Bolognese, der Klassiker und Rinderroulade esse ich auch ganz gerne. Und Rosenkohl.

Echt? Als Kind?

Andreas: Ja. Habe ich dann auch festgestellt, wie viele da heute noch ein Kindheitstrauma wegen Rosenkohl haben. Das ist wirklich stark verbreitet das Rosenkohlproblem.  

Spinat mochten viele ja auch nicht.

Andreas: Spinat habe ich gegessen, bin aber nie grün geworden.

(Lacht) Rote Beete ist auch nicht so beliebt.

Andreas: Mag ich auch gerne mit Meerrettich-Sauce.

Oh ja, eine sehr gute Kombination. Und was kommt bei dir niemals auf den Tisch?  

Andreas: Fisch.

Hä?

Andreas: Hä? Du kommst doch aus Hamburg und musst Fisch mögen. Mein Gott ist das ein Klischee hier.

Hallo? Das sind doch nicht alles Klischees.

Andreas: Nein, ich ärgere dich auch nur.

Stimmt, das kann man ganz gut. Also, kein Fisch.

Andreas: Wir hatten ein großes Haus. Mein Vater war Pastor und da wohnte oben im Haus noch die ältere Schwester meines Vaters, da hing ich öfter ab und die mochte keinen Fisch. Meine Mutter mochte wiederum meine Tante nicht, von wegen die alte Jungfer, was will die eigentlich hier. Auf jeden Fall hat die mir den Fisch madig geredet und seitdem bekomme ich immer Würgereize.

Verrückt.

Andreas: Typisch psychosomatisches Syndrom. Aber Scherz beiseite. Ich werde da regelmäßig sauer, nur weil ich aus Hamburg komme, muss ich Fisch mögen.

Das ist ja auch Blödsinn.

Andreas: So denken aber viele Leute. Meine Mutter hat damals alles probiert. Sogar Hai hat sie aufgetischt, weil das ja eher so eine steakähnliche Maserung hat und sie dachte, dass es an der weichen Konsistenz liegt, aber hat auch nicht funktioniert.

Dann erübrigt sich ja auch meine nächste Frage, wo man die besten Fischbrötchen in Hamburg isst.

Andreas: Das meiste ist ja sowieso dieser tiefgefrorene Scheiß. In Hamburg kommt ja auch gar kein direkter Fischkutter an. Das ist ja auch totaler Schwachsinn zu denken, da gibt es den besten Fisch.

Für Freunde, die Fisch lieben

Also, nie wieder Fischbrötchen im Hamburger Hafen.  Lieber verkohlte Würstchen vom Grill?  

Andreas: Tatsächlich. Da taucht dann wieder das unangenehme Kind auf. Ich bin mal mit einem Freund und dessen Eltern für eine Woche an die See gefahren. Da wohnten wir in so einer großen Ferienanlagen und die meisten aßen am Abend Brote. Ich esse keine Brote. Ich bin dann immer heimlich runtergeschlichen zu den Plätzen, wo gegrillt wurde. Irgendwann haben sie mir dann die verkohlten Würstchen, die nicht mehr weggingen, geschenkt. So habe ich mich dann die Woche durchgeschlagen. Mag ich heute auch noch gerne.

Schön knusprig…

Andreas: Und schön krebserregend…

Hast du schon mal ein Lied über (lässt mich gar nicht ausreden)…

Andreas: …über Essen geschrieben, nein. Man muss sich immer über die Konsequenzen seines Handels bewusst sein. Würde ich ein Stück über Essen schreiben, dann müsste ich mich in Interviews sehr viel über Essen unterhalten. Ich habe jetzt kein Problem mich einmal über Essen zu unterhalten, aber zwei Interviewtage nur über Essen unterhalten, nee. Ich finde Essen überbewertet.

Es muss ja nicht unbedingt ums Essen gehen. Blumfeld haben ja auch den „Apfelmanngeschrieben und natürlich geht es da nicht um Äpfel, aber ich habe damals Jochen im Interview gefragt, wann er seinen letzten Apfelkuchen gebacken hat… Scherz.

Andreas: Ich habe während meines Studiums Interviews für den bayrischen Rundfunk geführt und ich würde die Frage auch stellen. Aber jetzt sitze ich auf der anderen Seite und habe keine Lust sie zu beantworten.

Dann kann man das ja auch sagen. Aber bei Songs, wie zum Beispiel „Der Apfelmann“ bietet sich das ja wirklich an. Was würdest du denn für dein erstes Date kochen?

Andreas: Was würde ich von meinem ersten Geld kochen?

Nein. Date.

Andreas: Wie bescheuert ist das denn schon wieder. Ah ja, dann habe ich noch eine teure Flasche Wein gekauft und eine Kerze angemacht. So ein Scheiß.

(Kreisch) Das macht ja Spaß mit dir. Und wenn du zum Essen eingeladen wirst gehörst du zu denen, die nichts mitbringen?

Andreas: Ich gehe nicht gerne zum Essen.

(Da platzt es aus mir heraus). Dich lädt wahrscheinlich auch gar keiner ein. (Daraufhin müssen wir beide sehr lachen).

Andreas: Ich mag eh keine Abendessen.

Stullen gehen ja auch nicht…

Andreas: (macht ein lautes Würgegeräusch). Dann guck ich, wer noch eine verkohlte Wurst für mich hat. Nein, lieber esse ich dann nichts.

Und deine Freundin?

Andreas: Ich bin derjenige, der bei uns kocht.

Und sie muss das essen, was du ihr zubereitest…

Andreas: Unverschämtheit…

Die Frage: „Was hast du zuletzt aufwendig auf den Tisch gezaubert“ können wir also auch streichen… Du warst 2017 mit „Die Liebe und der Ärger der Anderen“ schon mal in den Albumcharts. War das ein einmaliges Vergnügen? (Mittlerweile ist er auch mit der Platte „Das Wesentliche“ in den Charts gelandet.)

Andreas: Auf die Idee kamen damals Maurice (Chef vom Label Staatsakt) und ich. Da ich noch nie in den Albumcharts war wollten wir das ausprobieren und zeigen, dass es gar nicht so schwer ist da reinzukommen. Den Mythos: „Wow, wir sind in den Charts“ wollten wir mal ein wenig auffliegen lassen. Denn das kann jeder. Du musst halt im August veröffentlichen.

Und hat ja auch funktioniert.

Andreas: Erstaunlicherweise sogar über zwei Wochen.  

Wie entsteht denn bei dir ein Song? Eigentlich wollte ich, dass du das als eine Art Rezeptvorschlag beschreibst, aber…

Andreas: Ja, doch. Da gibt es sogar ein Rezept. Musik ist bei mir eher eine Kopf-, als eine Bauchsache. Ich gehe eher konzeptionell an Musik heran, deshalb stimmt der Vergleich zu einem Rezept. Manchmal klappt es auch nicht, also es kann dann auch mal anbrennen. Oder der Sound verträgt sich nicht mit dem. Dieses Konzeptionelle ist dann wie in der gehobenen Küche. Könnte eine tolle Geschmacksexplosion ergeben oder schmeckt einfach nicht. Das finde ich ja gerade spannend beim Musikmachen, sich auf dünnes Eis begeben und nicht dieses: Hey, komm wir machen zusammen Musik.

Hast du denn schon mal in einer Band gespielt?

Andreas: Nee.

Das Wesentliche

Wäre auch gar nicht dein Ding?

Andreas: Als ich anfing Musik zu machen hat mich das gar nicht interessiert. Auch dieses Live-Spielen war nie mein Wunsch. Ich wollte immer einen Tonträger haben, wo mein Name drauf steht und der nach meinen Regeln gestaltet ist. Das ist heute eigentlich auch immer noch so. Dieses auf der Bühne bewundert werden und mit den anderen was gemeinsames fühlen, interessiert mich nicht.

Aber du hast trotzdem Spaß auf der Bühne?

Andreas: Ja schon, aber es ist noch nicht so weit gekommen, dass ich umgedacht habe.

Ich sehe eh einen Trend, der in deine Richtung geht. Also viele machen lieber für sich alleine Musik.

Andreas: Ich mache ja nicht alleine Musik. Meistens sind wir doch zu zweit.

Ach doch. Oder meinst du deine Gerätschaften?

Andreas: Ich und mein Drumcomputer. Nein, schon mit jemandem zusammen, aber nicht dieses hier noch ein Gitarrist und Bier trinken und so ein Scheiß.

Ja, immer dieses Trinken, schlimm.

Andreas: Meine Mutter hat immer gesagt: „Arbeit ist Arbeit und Schnaps ist Schnaps.“

In den sozialen Netzwerken bist du ja nicht unterwegs. Da wird immer allerhand diskutiert und besprochen, wie das Spargelthema von vorhin. Bist du ein diskussionsfreudiger Typ?

Andreas: Diskussionen von Angesicht zu Angesicht, ja, aber nicht als Heckenschütze am Rechner.

Musst du denn immer Recht haben?

Andreas: Nein. Ich mag es tatsächlich dieses: „Huch, den Aspekt habe ich nicht gewusst oder nicht beachtet“ und „Ups, ja, jetzt sehe ich das anders.“

Bist du häufiger gestresst?

Andreas: Ja, aber ich mag auch Stress.

Welche Mahlzeit oder welches Essen holt dich dann wieder runter?

.Andreas: Der Klassiker. Schokolade.

Gibt es eine bestimmte Marke oder Sorte? Vielleicht gibt es ja was umsonst…

Andreas: Wie umsonst, hast du Sponsoren?

Ich arbeite daran.

Andreas: Ich wollte jetzt mal die neue Ritter Sport probieren, die mit dem hohem Kakaoanteil. Je höher der ist, umso mehr soll das ja Serotonin, die Glückshormone auslösen. Von der sogenannten Herrenschokolade bin ich jetzt nicht so Fan.

Ritter Sport finde ich eigentlich immer gut…

Andreas: Milka mag ich auch gerne. Lindt finde ich total Scheiße.

Aber die schmilzt doch so schön im Mund?

Andreas: Nee, das ist ja eher bei Milka so. Imagemäßig würde ich Lindt kaufen, aber die hat mich nicht so überzeugt.

Die gute Bio-Schokolade von DM hat bei Stiftung Warentest wohl sehr gut abgeschnitten. Ist aber Vollmilch.

Andreas: Von Milka gibt es jetzt auch so eine Sorte, die an Kinderschokolade erinnert. Schmeckt anders, aber auch nicht schlecht. Mit einer leicht nussigen Note.

Oh, klingt sehr gut. Du bist ja doch ein Schleckermäulchen. Und Musiker.

Andreas: Nee. Es stimmt auch nicht. Ein Musiker muss in der Lage sein können, drei Minuten dreißig ein Thema auf einem Instrument durchzuspielen und das kann ich nicht. Ich kann vielleicht 20 Minuten durchspielen…

Schlagzeug?

Andreas: Wie kommst du denn auf Schlagzeug? Da bin ich der Doofste, der rum läuft…Schlagzeug kann ich überhaupt nicht. Ich habe mal Gitarre gelernt und Klavier habe ich mir selber „Learning by doing“ beigebracht.

Dann bist du eher ein Entertainer?

Andreas: Auf keinen Fall. Ich erzähle keine Witze. Ich versuche mich, so wie ich auch sehr gut darin bin, bei manchen Leuten das DU oder SIE zu vermeiden, schlangenartig verbal um diese Bezeichnung herumzueiern.

Ich überlege noch mal und sag dir dann bescheid.

Andreas: Ja, mach mal. Ich entlike dich dann sofort. (grins)

Du bist doch gar nicht bei Facebook?

Andreas: Dann hetze ich Carsten auf dich. Der entfreundet dich dann…(gemeint ist Carsten Friedrich von Superpunk und DLDGG). 

Oh, wie gemein. Aber ja, so schnell geht das und dann habe ich meinen ersten Shitstorm, weil ich dich Quatschmacher genannt habe oder den TV-Koch der Unterhaltungsmusik… Guckst du immer noch gerne Fernsehen?

Andreas: Was ich beim Fernsehen mag ist, ich möchte nicht die Kontrolle haben. Beim Zappen bleibe ich dann bei irgendwas stehen, wo ich eigentlich gar nicht hinwollte und finde das dann interessant. Wenn ich Fernsehen gucke, habe ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich da mal abbreche.

Du könntest also nebenbei auch wunderbar kochen oder ein Ei in die Pfanne hauen. (grins)

Andreas: Wenn der Fernseher in der Küche stehen würde, neben meinem Weinregal, dann ja.

Hast du „Der Goldene Handschuh“ gesehen?

Andreas: Das ist Kino. Der läuft doch noch gar im Fernsehen.

Das weiß ich und habe ich auch gar nicht behauptet.

Andreas: Der Film hat ja einige Verrisse bekommen und darüber konnte ich mir schon ein Bild machen und da hatte ich nicht das Bedürfnis, mich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich finde es von Fatih Akin mutig, sich daran zu versuchen, aber interessiert mich eigentlich gar nicht so.

Das Buch von Heinz Strunk hast du auch nicht gelesen?

Andreas: Nein.

Und wie kam es damals zu dem Song „Tannenduft“. Darin geht es ja quasi auch um Fritz Honka.

Andreas: Den Text hatte ich schon eine habe Ewigkeit herumliegen. Ich hatte damals auch versucht zu recherchieren. Ich war in der Bücherhalle und habe auch im Netz gesucht, aber es gibt wirklich kaum Infos darüber. Strunk hatte ja tatsächlich Einblicke in die Archive, über die Polizei und Staatsanwaltschaft. Ich habe dann nur ein Buch mit so Kriminalfällen gefunden und darin gab es nur drei läppische Seiten über den Honka Fall. Ich wusste dann aber, dass das Buch von Strunk kommen sollte und dann habe ich vorher noch schnell meinen Text fertiggeschrieben. Hehe. Mich hat an dem Fall tatsächlich nur der Geruch interessiert. Ich habe mir erst mal vorgestellt, wie Leiche überhaupt riecht…

Nicht gut.

Andreas: Hast du schon mal?

Ja, ein Nachbar im Haus. Den Geruch vergisst man nicht mehr.

Andreas: Mein Vater war im Krieg und der hat immer von einem süßlichen Duft geredet.

Ich hatte zuerst einen extremen Fleischgeruch in der Nase, dachte zuerst ein verbrannter Braten. Je näher man kam, umso süßlicher und schlimmer wurde es. Die Verwesung war schon im vollen Gange.

Andreas: Dein Gehirn signalisiert dir wahrscheinlich zuerst, ah, es muss sich um etwas zu Essen handeln.

Und Honka hat versucht den Geruch seiner Leichen, die er gebunkert hat, mit Tannenduft-Bäumen zu überdecken. Muss ja auch ein ganz fieser Gestank sein.

Andreas: Den Aspekt fand ich wirklich faszinierend. Du weißt ja, Duft zieht nach oben und er hat ja in einer Dachwohnung gelebt.

Von Wohlgerüchen zu deinem Lieblingsrestaurant in Hamburg?

Andreas: Darüber müssen wir ja nicht reden, ne. Ich bin kein Restaurant-Gänger.

Ach ja. Du gehst wirklich nie mit deiner Freundin auswärts essen?

Andreas: Ja, mein Gott bin ich ein widerliches Arschloch. Verbessert die Leute und geht mehr auswärts essen.

Ok, nächste Frage. Labskaus?

Andreas: Esse ich sehr gerne und gehört zu meinen Lieblingsessen. Kann ich auch ganz gut selber machen. Meine Freundin hat sich allerdings noch nie getraut Labskaus zu essen, was ich auch verstehen kann, weil es ja nicht gerade ästhetisch aussieht. Sieht aus wie Erbrochenes, ganz simpel beschrieben.

Was ist da alles noch mal drinnen?

Andreas: Pökelfleisch, so eine Art Corned Beef. Kartoffelbrei, klein gehackte Gewürzgurke und rote Beete. Darauf kommt dann ein Spiegelei. Die Variante mit Fisch, dann wird dann so ein Rollmops drangelegt, ist nur für die Touristen, die ja denken, dass muss mit Fisch sein.

Die Idioten. Grünkohl mit Pinkel?

Andreas: Bremer Pinkel. Halb Getreide- und Speckwurst. Die schneidet man seitlich auf, ähnlich wie bei der Weißwurst und dann ist da drinnen, eine halbweiche Masse, wie so Grütze. Und darunter mischt man Getreide und Speck.

Hast du mal in einer anderen Stadt gelebt?

Andreas: In München, weil ich da an der Filmhochschule studiert habe und auch abgeschlossen. Bayern fand ich immer schon toll. Ich kannte da auch schon einige an der Schule und habe mich dann beworben. So nach dem Motto, ich guck ja gerne Fernsehen, dann studiere ich das mal.

Hast du denn mal einen Film gedreht?

Andreas: Ja. Den einen gibt es auf YouTube und heißt „Schlag dein Tier“.

Na, den muss ich mir mal anschauen. Hast du einen Lieblingsregisseur?

Andreas: Die Frage hasse ich auch. Es gibt Regisseure, die schätze ich, aber ich bin jetzt auch nicht der Western-Typ oder Krimi-Liebhaber. Wenn ich mich für ein Genre entscheide, dann hätte ich das Gefühl, oh, das spiegelt meine Persönlichkeit in ihrer Komplexität wieder. Ich hasse so Listen machen. Schreib doch mal deine zehn Lieblingsalben auf. Da tu ich mich so dermaßen schwer. Irgendwas kommt da immer zu kurz oder die Betonung ist dort ein bisschen zu stark.

Bist du Tatort-Fan?

Andreas: Nein.

Ah, Danke. Fritten und Bier? Oder Schampus und Lachsfisch?

Andreas: Weder das eine noch das andere. Wenn ich Bier trinke, dann esse ich nicht. Ich muss ja besoffen werden. Essen und Bier löst bei mir einen Widerspruch aus. Wenn ich esse und dazu trinken müsste, dann wäre es Weißweinschorle.

Früher auch gerne Sekt auf Eis.

Andreas: Trinke ich auch sehr gerne.

Bestimmte Marke?

Andreas: Trocken. Crémant mag ich ganz gerne.

Hui, gibt es aber auch nicht in jeder Bar.

Andreas: Bei euch in Berlin vielleicht nicht. In Hamburg hat sich der schon ganz gut durchgesetzt. Mir fällt gerade noch ein, Labskaus müsste sich ja auch vegetarisch ganz gut herstellen lassen. Mit so Räuchertofu oder so. Dominanter als das Fleisch, geschmacklich, sind ja auch Gewürzgurke und Rote Beete.

Das ist eine gute Idee und probiere ich mal aus. (Rezeptvorschlag)

Musik und Essen passen zusammen, wie…

Andreas: Könnte ich nicht gleichzeitig. Wahrscheinlich würde die Musik siegen, weil die mich mehr interessiert. Ich kann mich nicht auf zwei Sachen konzentrieren. Ich kann auch beim Arbeiten oder Schreiben keine Musik hören, weil mich das ablenkt.

(Guckt auf die Uhr) Oh, ich muss leider los.

Es war mir ein großes Vergnügen. Ich hoffe, es hat dir auch ein bisschen Spaß gemacht?

Andreas: Na klar.

Wo ist das Vögelchen?

Vielen Dank, Andreas und zum Abschied gab es noch ein paar lustige Selfies, ohne Würgereiz.

Bitte nicht Lachen

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