Ron Williams „Hautnah“: Ein emotionaler Soundtrack seines Lebens.

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Cuxhaven, 28. April 2019. Es blieb spannend, werde ich Sänger und Schauspieler Ron Williams persönlich treffen? Abgemacht war das bereits einen Monat zuvor. Ich hatte Herrn Williams bzw. sein Management, Frau Sigrid Grizi, angeschrieben, bezüglich meiner Recherche über das Leben meines Vaters. Ich fragte ihn, ob er sich noch an die Zusammenarbeit erinnert. Ich wusste noch, dass mein Vater das Bühnenbild damals für die Samstagabend-Show im WDR „Ron-Abend“ gestaltete und ich durfte auch einmal bei einer Sendung dabei sein.

Herr Williams hat sich auf meine Anfrage persönlich zurückgemeldet und sich dafür entschuldigt, dass er sich leider kaum an meinen Papi erinnert. Immerhin ist es auch schon eine ganze Weile her. Wir sprechen hier von 1986. Sollte ich allerdings noch Fragen haben, dann kann ich ihn gerne unter seiner Handynummer zurückrufen. Da war ich schon sehr überrascht, sowieso dass er mir persönlich antwortete und dann noch vertrauensvoll seine Privatnummer gab. Schon da war ich sehr begeistert von dem Entertainer und vor allem glücklich über dieses Feedback.

Somit nutzte ich die Chance, antwortete zunächst per Mail zurück und dass ich mich am nächsten Tag gerne noch mal bei ihm telefonisch melden würde. Gesagt getan, einen Tag später rief ich ihn aufgeregt an und er war auch gleich am Telefon. Wie bereits in der E-Mail geschrieben, kann er sich an die Zusammenarbeit mit meinen Vater nicht so richtig erinnern. Wir sprachen noch kurz ein wenig über den WDR und was ich in Berlin so mache. Ich nutzte die Gelegenheit bei dieser lockeren Plauderei und fragte ihn, ob er denn Lust auf ein Interview hätte. Da würde es vorwiegend um Essen und Musik gehen. Er wartete nicht lange und war sofort bereit dazu. Ich sollte einfach Frau Grizi Bescheid geben, zu welcher Veranstaltung ich demnächst kommen möchte und dann treffen wir uns dort. Toll. Das nenne ich mal spontan und bisher keinerlei Allüren zu bemerken, die man ja oft von einem Künstler zu spüren bekommt. Und Ron Williams könnte sich auf so manche Begegnungen und Erlebnisse in seinem Leben ordentlich was einbilden. Er ist so vielen Superstars begegnet und stand mit ihnen auf der Bühne. Er war zum Beispiel mit LaDonna Gaines liiert, die später besser bekannt war als Donna Sommer. In den 1980ern hat er unzählige TV-Shows im deutschen Fernsehen moderiert, u.a. „Musikszene“, „Focus on Europe“ und „Spaß am Dienstag“ mit Zini. Der Mann aus Oakland hat sogar die Spare-Ribs nach München geholt und bei „Alfredissimo“ zubereitet. Und das Schleckermäulchen Berlin trifft diesen tollen Mann zum Interview.

Also, abgemacht. Nach kurzer Recherche entschied ich mich für Cuxhaven. Nicht gerade um die Ecke von Berlin, aber so konnte ich auch noch mal dem schönen Norden „Moin“ sagen und ein bisschen durchs Watt latschen. Die Veranstaltung sollte am Sonntag stattfinden, somit entschied ich mich für ein verlängertes Wochenende an der Nordseeküste. Mr. Williams ist zurzeit mit seiner Show „Hautnah“ unterwegs. Er erzählt aus seinem bewegten Leben und singt dazu die passenden Songs. Begleitet wird er dabei seit Jahren vom Jörg Seidel Trio. Seine Lieblingslieder sind Klassiker, wie Bill Withers „Lean on me“ oder Armstrongs „Wonderful Life“, die er mit einer unglaublich starken und souligen Stimme interpretiert. Ron Williams ist nicht nur ein begnadeter Sänger, er ist auch ein sehr guter Schauspieler und perfekter Imitator. Kein Wunder, dass die Musical-Show und Hommage des Genius of Soul, Ray Charles, „Rayvival“ Fans und Presse begeisterte. Williams beherrscht jede Pose und trifft den richtigen Ton. Mitten in die Seele und ins Herz des Zuhörers. Eine kleine Kostprobe seines Könnens erlebten wir auch an diesem Sonntagabend in „Hautnah“. Er verkörpert Ray Charles mit vollem Einsatz seiner Stimme und Gesten.

Original oder Fälschung? Ron Williams performt Ray Charles

In dieser sehr persönlichen Bühnenshow spricht Ron offen über seine schlimme Kindheit. Er wuchs bei seiner Tante auf. Immer wieder wird er mit Rassismus, Schlägen und Diskriminierung konfrontiert. Die autobiografischen Geschichten berühren und gehen wortwörtlich unter die Haut. Was für ein Leben, was für eine Geschichte. Und da steht nun der Mann, selbstbewusst, trotz viel Leid und Seelenschmerz, strahlt er eine unglaublich positive Energie aus. Selten ist man so begeistert und berührt von einem Menschen. Mit 77 Jahren steht er immer noch topfit, voller Energie und stets mit einem flotten Spruch auf den Lippen auf der Bühne. Er begeistert mit Coversongs, aber auch seine eigenen Lieder, wie zum Beispiel „Power of Love“, erzählen die Geschichte eines unschlagbaren Mannes aus Oakland, der es vom Butler zum angesehenen Superstar geschafft hat. Und er hat sie alle getroffen. Von einigen Begegnungen erzählte er bereits bei seinem Auftritt. Später, nach der Performance, habe ich ihn dann endlich zum Interview getroffen. Eigentlich wollten wir das schon am Nachmittag machen, aber da war er noch mit Proben beschäftigt. Umso glücklicher war ich, dass es nach der Show in Cuxhaven noch zu diesem persönlichen Treffen kam. Ich sollte einfach noch kurz warten bis sie mit dem Abbau fertig sind und dann fuhren wir gemeinsam ins Hotel und führten das Gespräch. Toll. Ich war aufgeregt und hörte, wie er zu jemandem sagte: „Draußen steht eine Reporterin, die macht noch ein Interview und wir nehmen sie einfach mit“.

Ron liest aus seinem Leben vor

Etwas unangenehm war mir das Ganze schon, weil es ja schon spät war und ich nicht stören wollte, aber Ron ließ sich nicht davon abhalten und so fuhren wir bald los. Ron, wird sind mittlerweile beim DU, sitzt noch selber am Steuer. Die Hotelbar hatte leider schon geschlossen. Sonntagabend, 22:30 Uhr, Cuxhaven, da geht nicht mehr viel. Die Ostergäste waren schon abgereist, aber zum Glück hatte das Störtebeker ums Eck noch geöffnet. (Vielen Dank an die freundliche Bedienung, die dann noch etwas länger für uns offen hatte.)

Und dann saßen wir gemütlich bei Bier und Wein am Tisch und Managerin Sigrid und die drei Musiker Jörg Seidel (Gitarre), Markus Minarik (Piano, Keyboard) und Alex Meik (Kontrabass) gesellten sich auch noch dazu. Ich musste gar keine Fragen stellen. Die Geschichten und Anekdoten sprudelten aus ihm nur so heraus. Ron und ich saßen auch noch zusammen, als sich alle schon verabschiedeten. Ich hätte ihm noch die ganze Nacht zuhören können.

Mich begleitete noch immer ein unheimlich gutes Gefühl. Seine Show und die Begegnung haben mich nachhaltig sehr berührt. Nicht nur, weil ich glücklich war, ihn dann doch noch persönlich zu treffen, sondern weil Ron Williams einfach ein guter Mensch ist, und man spürt das sofort. Egal was ihm widerfahren ist, auch auf seiner beruflichen Ebene, hat er immer noch ein gutes Wort für alle unangenehmen Typen. Er ist keiner, der von Frust zerfressenen Menschen, die stets mit negativen Schwingungen jammernd in der Gegend rumlaufen. Ich bin schon vielen begegnet, auch in meinem Bekanntenkreis und jeder ist mal an einer Beziehung gescheitert, hat Schlimmes in der Kindheit erfahren oder einen geliebten Menschen verloren, aber ich kenne nur wenige, die damit reflektiert und gesund umgehen. Ron Williams hatte alles andere, als eine angenehme Kindheitheit. Ich gebe zu, es war nur eine kurze Begegnung, aber dieser Mensch suhlt sich nicht in Selbstmitleid und hasst die ganze Welt. Er blickt positiv in die Zukunft. Jeden Tag. Er hält sich fit mit Meditation und gutem Essen. Er raucht nicht mehr und trinkt auch kaum. Er lernt aus seinen Begegnungen, aber auch aus seinen Fehlern und weiß, wem er vertrauen kann und wem nicht. Man fällt oft genug auf Menschen rein.

Als er mit mir noch nach dem Interview auf mein Taxi zum Hotel wartete (auch eine sehr nette Geste von ihm, da es schon weit nach 1 Uhr morgen war und er am nächsten Tag zur nächsten Show nach Peine fahren musste), erzählte er mir, dass man immer auf sein Bauchgefühl hören soll. Das sei, wie beim Essen, wenn man merkt, hm, da stimmt was nicht, das vertrage oder mag ich nicht, dann sollte man dieses Gericht oder eben diesen Menschen einfach meiden. Und damit hat er so Recht und dieses Gefühl kann ich sehr gut nachvollziehen. Und zu Ron Williams sagt mein Bauchgefühl, dass ich mich auf eine weitere Begegnung und die kommenden Projekte von ihm sehr freue.

Weitere Geschichten und Eindrücke seines Lebens demnächst im ausführlichen Interview auf Schleckermäulchen Berlin. Und es gibt noch eine tolle Neuigkeit: Ron Williams kehrt ins deutsche Fernsehen zurück. Ab dem 26. Mai 2019 wird er in der Lindenstraße zu Gast sein. Kreisch! Schalten Sie ein und bleiben Sie dran!

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